Buch
"Was geschah während wir schliefen" von Noémi Kiss
© Tamás Scheibner
Wie ist das mit der Liebe, was passiert während des Beischlafes und was hat das alles mit mir zu tun? Miss Kiss erklärt uns in sechs Geschichten das Leben aus der Sicht einer jungen Frau, die immer wieder in Beziehung tritt...
Der Roman „Was geschah, während wir schliefen", im Ungarischen mit „Trans" betitelt, ruft alte Begegnungen, Assoziationen, Gefühle und Traumata hervor, die Wirklichkeitsebenen vermischen sich. Projektionen laufen, Eifersüchte brechen aus. Liebesvorstellungen scheitern, Sex „tut man“.
Die 1976 geborene ungarische Literaturwissenschaftlerin mit dem aufschlussreichen Namen Noémi Kiss ist eine der „neuen Frauen" in der ungarischen Literatur, die erst seit ein paar Jahren „von einem nicht existierenden, fremden Ort ins Zentrum rücken". Sie entwickelt dabei eine eigene Rhetorik und verzichtet auf die Einheitlichkeit weiblicher Identität, setzt die „allgemeine weibliche Identitätskrise" um. Noémi Kiss schreibt spannend und doppelbödig, taucht in (T)Raum und Zeit, macht die Tragik aller Beziehungen und Grenzüberschreitungen klar. Bei aller Szene-Bezogenheit lässt sie ganz traditionell die Frauen sterben, und die Lesben sind es, die von Gott, Schuld und Moral heimgesucht werden. Auch Schwule kommen in ihrem anonymen Darkroomsex recht klischeehaft weg.
Da Kiss aber mitreißend schreiben kann, schafft sie es immer wieder, anregende Fragen für das Beziehungsleben zu stellen. Gender-Happening findet allerdings woanders statt.
Laura Méritt
Noémi Kiss, „Was geschah, während wir schliefen“, 192 Seiten, Matthes & Seitz Berlin, 19,80 Euro
Laura Méritt stellt das Buch am 16. September in der vierteljährlichen literarischen Auslese „Lesbisches Quartett“ in der Begine vor.
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