Siegessäule - Alice im Heteroland: „Yma“ im Fiedrichstadtpalast

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Bühne

Alice im Heteroland: „Yma“ im Fiedrichstadtpalast


Gestern feierte die Show „Yma – Zu schön, um wahr zu sein“ Premiere und blieb hinter den hohen Erwartungen weit zurück

© Stephan Gustavus Andreas Renee Swoboda versprühte als Yma biederen Glanz

SIS 3.9.2010 – Eine Show der Superlative soll es sein, „Yma – Zu schön, um wahr zu sein“ im Friedrichstadtpalast: über 100 Akteure und Akteurinnen auf der größten Theaterbühne der Welt in der teuersten Produktion, die das Haus jemals präsentierte mit unglaublichen 118 000 Ticketreservierungen im Vorverkauf. Und noch etwas soll „Yma“ sein: The gayest show in town!

Die Kostüme des schwulen Berliner Modeschöpfers Michael Michalsky, eine Transe als zentrale Figur der Inszenierung und etliche andere schwule Referenzen in Cast und Show legen diese Vermutung durchaus nahe – das Versprechen einer glamourösen Homorevue mit subversiver Sprengkraft wird allerdings nicht eingelöst. Hauptdarsteller Andreas Renee Swoboda, der nach der Premiere allerdings durch Jörn-Felix Alt ersetzt wird, versprüht als Yma eher den Charme gestrig-hölzerner Travestie und hangelt sich durch das dünne Libretto voller biederer Schlüpfrigkeiten. So wird einerseits konstatiert, dass es in den heutigen Zeiten egal sei, ob homo oder hetero, andererseits werden heteronormative und antifeministische Strukturen durch käsige Scherze unterstrichen: Die Frau strebe nur nach einem Ziel, nämlich einen heiratswilligen Mann zu finden und verliere sich und ihre Identität in den vielfältigen beruflichen Möglichkeiten, die ihr in der modernen Gesellschaft offen stünden. Ein Düsentriebwerk könne sie allerdings immer noch nicht bauen. Schade. Da helfen auch zwei miteinander Tango tanzende Männer, musikalische und showtechnische Referenzen zu diversen Madonna-Tourneen und ein „lesbischer“ Kuss nicht mehr, „Yma“ gerät durch die charmefreie Hauptfigur und ihre kurzen Texte zwischen den Showparts zu „Eva Herrmann – Die Revue“.

Die locker zusammengehaltene Nummernschau, die sich im ersten Teil mit Songs wie „Lady Marmalade“, „Get the party started“ oder „Männer“ von Herbert Grönemeyer und fliegenden Beinen in endlosen Girlreihen choreografisch und musikalisch eher klassisch gibt, erreicht erst nach der Pause die angestrebte zeitgemäße Modernität: die Musik wird technoider – sicherlich auch ein Verdienst der Electro-DJs und Produzenten Tiefschwarz, die an der Musikproduktion beteiligt waren – die Kostüme reduzierter und die gesamte Showästhetik weniger plüschig. Ausnahme bildet hier das von Yma und ihrem männlichen Counterpart Koffi im Fummel quasi als „Mary & Gordy Reloaded“ vorgetragene „Marleen“ von Marianne Rosenberg.

In der so eher lauwarm dahinplätschernden Show ragen allerdings hin und wieder artistische und inszenierungstechnische Glanzleistungen hervor, die eine Ahnung davon geben, wie eine moderne Revue in Europas Partymetropole hätte aussehen können. So krabbeln, laufen und springen durch Trampoline beflügelte Tänzer in neon-leuchtenden Kostümen einen überdimensionalen Ghettoblaster hinauf und herab wie Spiderman on Ectstasy oder steppen im Stomp-Style auf kreisförmigen Hebebühnen. Das ist durchaus grandios. Insgesamt bleibt „Yma – Zu schön, um wahr zu sein“ allerdings weit hinter den Erwartungen zurück, die sich nach der überaus erfolgreichen letzten Produktion „Qi“ aufgebaut hatten. Nun ja, den Touristen wird’s gefallen.

Jan Noll

Yma, ab jetzt im Friedrichstadtpalast. Tickets im Siegessäule Online-Shop

Mehr zur Location: Friedrichstadt-Palast

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Kommentare


Ich kann mich der Meinung des Hauptartikels nur anschließen. Wir waren am Freitag da und hatten uns deutlich mehr erhofft. Eine Show ohne Hirn und Story. Den Moderator kann man sich sparen. Wir fanden einzelne Elemente gut, aber insgesamt war es für den hohen Eintrittspreis zu wenig.

von: Thomas Neumann, 29.11.2010 06:44 Uhr

Als langjähriger Besucher des FP ist die Show weit hinter meinen
Erwartungen zurückgeblieben. Sich mit Shows in Las Vegas zu vergleichen
ist reine Selbstüberschätzung. Für schwule Besucher zum Beispiel Berlins
OB war dies bestimmt eine schöne Show. Die Kostüme der Damen erinnern
eher an einen Flohmarkt und von sexy kann man nur träumen.

von: Torsten Schmidt, 23.09.2010 11:50 Uhr

YMA = Weltklasse!
ich habe mir natürlich auch die neue Show ,, YMA ,, angesehen und bin mehr als begeistert, ich weiss nicht wo ich anfangen soll aber man kann wirklich nur sagen Weltklasse! Der Artikel von Herrn Noll naja was soll man dazu sagen, ich habe selber als Reporter bei einer Großen Zeitung gearbeitet und ich finde Herr Noll sollte lieber Kochrezepte von Lesern auswerten und nich über Kulturelle Events Berichten denn das kann er NICHT, der Paast und seine Shows sind schon immer klasse und dies Steigert sich nun auch mit Hilfe von Hr. Schmidt der versteht wie gute Show zu machen ist, mit seinem goldenen Händchen wird er bestimmt weitere große und klasse Shows auf die Größte Bühne der Welt bringen, Herr Noll sollte sich einen Raum Kaufen und eine eigene Show auf den Teppich bringen ,, Nollis Gay Bude ,, zb. denn Ahnung von Kultur hat er nicht, der Friedrichstadtpalast verbindet meiner Meinung nach alles ,, Gay, Hetero, Bi, usw. es ist für alle etwas dabei was für ein ,,Volkstheater,, auch so zu erwarten ist, Hr. Schmidt schafft es das junge Menschen sich für Kultur Interessieren und in den Palast gehen was sonst nicht immer so war! Also mein Tipp VERKNALLEN SIE SICH IN DEN PALAST UND IN ,, YMA ,, !!! Schauen sie sich die Show an und sie werden sehen sie macht süchtig, und den Atrikel von Herrn Noll hmm naja kann man nichts zu sagen er soll sich bei einer Schüler Zeitung bewerben die brauchen sollche wie ihn!

,, YMA ,, Nehmen sie Platz und es wird wahr!!!

und für den Palast alles gute sowie für Hr. Schmidt!

von: Gerome Jeames, 13.09.2010 20:57 Uhr

Zur Richtigstellung der Tatsachen: Andreas Renee Swoboda spielt alle Vorstellungen bis einschließlich Ende Februar 2011 und wird nicht nach der Premiere "ersetzt". Also ausreichend Gelegenheit, sich ein eigenes Bild von der neuen Show YMA im Friedrichstadtpalast zu machen...

Manuela Tomaszewski / kulturmanagement & pr
Management / Andreas Renee Swoboda

von: Manuela Tomaszewski, 09.09.2010 15:18 Uhr

Als Intendant des Hauses wundere ich mich schon ein wenig, dass Herr Noll ernsthaft davon ausgeht, wir wollten hier "the gayest show in town" machen. Wir sind ein Volkstheater im besten Sinne, unsere Gäste sind von 16 bis über 60 Jahre alt, jeglicher sexueller Orientierung und - wie die Verteilung in der Bevölkerung eben so ist - überwiegend heterosexuell.

Ich habe uns mal als "schwulsten Hetero-Laden Berlins" bezeichnet, aber dass wir schwuler sein wollen als ein ausgewiesener Gay-Laden wäre doch auch Blödsinn und würde auch gar nicht für uns funktionieren (wir haben fast eine halbe Million Gäste im Jahr). Aber dennoch sind wir ganz selbstverständlich AUCH schwul und lesbisch in unserem Programm und unserer Ästhetik. Welches 'normale' Volkstheater kann das von sich behaupten?

Und nein, es wird nicht nur den Touristen gefallen. Das ist eine Show, auf die auch die Berliner stolz sein werden, auch die hippen, auch die jüngeren. Seit der Premiere gehen die Verkäufe durch die Decke und fast die Hälfte der Kartennachfrage kommt aus Berlin.

Nichts für ungut, wollte ich nur mal klar rücken :-)

Beste Grüße

Berndt Schmidt
Intendant des FriedrichstadtPalastes

von: Berndt Schmidt, 07.09.2010 14:55 Uhr

Auch ich hab gestern die Show erleben dürfen und wurde nicht enttäuscht... und klar wirkt YMAs Charakter noch ein wenig zu gespielt... aber sie wird schon noch auftauen. Der Rest der Show war grandios. Tolle Einzelinszenierungen, tolles Bühnenbild, tolle Akrobatik und vor allem toller Gesang...

Hier gibt es eine Zusammenfassung: http://www.sheila-wolf.de/2010-09-05/yma-zu-schon-um-wahr-zu-sein-im-friedrichstadtpalast-berlin/

von: Sheila Wolf, 06.09.2010 00:02 Uhr

LAS BERLIN rockt!
ich habe die medienpremiere am mittwoch gesehen & sah "eine moderne Revue in Europas Partymetropole" mit "artistischen und inszenierungstechnischen Glanzleistungen", die zu den schönsten Revuen gehört, die ich je gesehen habe.

vielleicht sollte jan noll seine erwartungen weniger an einer "gayest show in town" ausrichten, als vielmehr an den erfolgreichen Revuen weltweit wie das moulin rouge oder in las vegas, die mit YMA eine gefürchtete konkurrenz bekommen haben. LAS BERLIN rockt! (nicht nur den US-) Touristen wird's gefallen.

gerald wünsch.

von: gerald wünsch, 04.09.2010 22:51 Uhr

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