Siegessäule - „Boys don't cry“ als Theaterstück, wieder 27. und 28.1.

Dein schwul-lesbisches Stadtmagazin für Berlin

Bühne

„Boys don't cry“ als Theaterstück, wieder 27. und 28.1.


Die Bühnenfassung der wahren Geschichte von Brandon Teena ist engagiert, klärt aber zu wenig über Transsexualität auf

© Christian Brachwitz Katrin Heinrich als Brandon Teena (re.), Anja Pahl als seine Freundin Lana

SIS 26.1.2010 – Brandon Teena erlangte weltweite Berühmtheit, als die Schauspielerin Hilary Swank 1999 einen Oscar für die Darstellung der transsexuellen Hauptfigur in dem Film „Boys Don’t Cry“ gewann. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines 21-Jährigen, der 1993 im konservativen US-Bundesstaat Nebraska Opfer eines Hassverbrechens wurde. Das Besondere am echten Brandon war, dass er nie mit seiner Identität haderte. Für ihn war immer klar: er ist ein Mann – und die körperliche Angleichung ein notwendiges, aber nebensächliches Übel. Es waren vielmehr die Menschen in seiner Umgebung, die Probleme mit ihm und seiner sexuellen Identität hatten. Dieser Konflikt ist auch die Grundlage von „Boys Don’t Cry“ am Theater an der Parkaue. 

Die Bühnenfassung von Regisseurin Esther Hattenbach basiert auf den echten Verhörprotokollen der beiden Mörder von Brandon. Die Inszenierung lebt von den Darstellerinnen und Darstellern, die ständig in andere Rollen schlüpfen. Überzeugend verleiht Katrin Heinrich Brandon Teena eine glaubwürdige Persönlichkeit. Nach dem Stück erzählt sie dem Publikum, dass sie sich in Vorbereitung auf ihre erste „Hosenrolle“ intensiv mit dem Thema Transsexualität befasst habe. Es sei ihr aber schnell klar geworden, dass sie ganz allein „den Mann in sich“ finden musste und ihr die Umsetzung leichter fiel, wenn sie nicht versuchte, männliches Verhalten zu imitieren.

Das Stück richtet sich an die Schülerinnen und Schüler ab der zehnten Klasse, Mindestalter 16 Jahre. An diesem Abend zumindest scheint das jugendliche Publikum von dem brisanten Thema überfordert; spürbare Unruhe und abwertende Kommentare, vor allem während der intimen Szenen, begleiten die Vorstellung. Die Handlung zieht sich streckenweise in die Länge, deutlich wird aber, dass dieses Szenario nicht exemplarisch für Nebraska ist, sondern genauso gut in jedem Berliner Vorort stattfinden könnte. Bemerkenswert ist auch die zurückhaltende Darstellung der Vergewaltigungs- und Gewaltszenen.

Das Theater an der Parkaue an der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg ist vor allem im Kinder- und Jugendbereich aktiv und engagiert sich seit ein paar Monaten im Bündnis gegen Homophobie. Seine Aufgabe sieht es aber nicht im aufklärerischen Bereich, sondern darin, auf künstlerischer Ebene Diskurse anzuregen: „Transsexualität ist eine Form von Identitätssuche, aber das grundsätzliche Problem ‚Wer bin ich und wo verorte ich mich?’ durchleben ja alle Menschen – und Jugendliche besonders intensiv“, erklärt uns die Dramaturgin und Theaterpädagogin Kristina Stang. Doch gerade bei einem besonderen Thema wie Transsexualität müsste das Theater eigentlich Möglichkeiten der Auseinandersetzung anbieten.

Und das geschieht auch bis zu einem gewissen Grad: Vor der Aufführung gibt es ein Vorbereitungsgespräch für Referendarinnen und Referendare; bezeichnenderweise war die Zahl der teilnehmenden künftigen Lehrkräfte verschwindend gering und überwiegend weiblich. Nicht anders nach dem Ende des Stücks, wieder blieb nur eine Handvoll interessierter Zuschaue und Zuschauerinnen übrig; von den Jugendlichen, an die sich das Stück doch hauptsächlich richtet, nahm kein Einziger an der Diskussion teil. Letztendlich entsteht der Eindruck, dass das Schicksal von Brandon Teena wieder einmal als Erklärungsmodell für die Identitätsfindung im Allgemeinen herhalten muss, obwohl die Hauptfigur wegen ihrer Transsexualität ermordet wurde. Ein aufklärerischer Hintergrund wäre also nötig gewesen, denn die Unwissenheit über alles Andere und Fremde führt vermutlich zu allen Zeiten zu Vorurteilsbildung und Ausgrenzung.    
kaey 

„Boys Don’t Cry“, 27.1., 19 Uhr, 28.1., 18 Uhr, Theater an der Parkaue 


zurück

Weitere Artikel dieser Rubrik

Queer Termine Berlin

<<Mai>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Detailsuche Termine >>
Printausgabe
siegessäule Printausgabe
Download
hier >>

Anzeige

Siegessäule-Service für Berlin

  • Alle Locations der Stadt!
    zur Suche

  • TV TIPPS: Jeden Tag neu!
    Zu den TV Tipps

  • Berlin for gays and lesbians: nightlife, culture, hotels, best places
    (english/german) More

  • Restaurant-Tipps
    Zur Suche

  • Branchenbuch Queer Berlin:
    Der Siegessäule KOMPASS
    Zur Suche

Jobangebot bei siegessäule

siegessäule sucht: Anzeigenberater/in im neu gegründeten Verlag Special Media SDL GmbH

Mehr

Schwullesbisch Reisen? queer-travel.net: wir waren wirklich dort!




Siegessäule fürs Handy

Siegessäule mobil: für alle Smartphones, ganz ohne App! Easy Termine checken!

Mehr

Open Siegessäule

Schickt uns eure Berliner Themen und Storys, wir schreiben drüber!

Mehr


Gay Twitter

Follow us at Twitter

Mehr

siegessäule Hefte-Archiv

Alle Printausgaben seit November 2008 HIER zum Download

Mehr

Siegessäule Partnermagazine

DU&ICH, Deutschlands schwules Magazin - jetzt zum Vorzugspreis als E-Paper bestellen!

Mehr

L-MAG, Magazin für Lesben. Mit: Interview mit Gossip-Schlagzeugerin Hannah Blilie

Mehr

Reisemagazin Queer Travel: Schwerpunkt Ägypten – online unter: queer-travel.net

Mehr