Bühne
Das Komische Oper Festival zeigt alle Premieren der Saison
Vor der Sommerpause werden noch einmal alle Stücke gezeigt, die die Komische Oper in dieser Saison inszenierte, 12.-17.7.
© Die komische Oper Joosten
Siegessaeule.de 12.7.2011 – Freud und Leid, wie im wahren Leben, brachten die aktuellen Premieren an der Komischen Oper dieses Jahr. Jetzt, zum Ende der Spielzeit, werden noch mal alle Neuproduktionen der Saison gezeigt – und das in einer Woche. Beste Gelegenheit, Verpasstes nachzuholen.
Da wäre die Operette „Im weißen Rößl“ von Ralph Benatzky: Regisseur Sebastian Baumgarten hat eine absolut zeitgemäße Produktion mit dem durchgeknallten Charme eines Kindergeburtstags in einem Kuckucksuhrenalpenland gebracht. Anarchischer Witz, aber auch der kritische Blick auf die Frühformen des Massentourismus und Vorboten des Nationalsozialismus machen die Inszenierung absolut rund.
Thilo Reinhardts Neudeutung von „Salome“ überzeugt
Opernglück gab es auch bei Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“, eingerichtet von Andreas Homoki, dem Chef des Hauses: In einem Bauklötzchen-Nürnberg präsentiert er eine bewegende Familienaufstellung, bei der ein Außenseiter alles aufmischt. Absolut erfrischend ist Thilo Reinhardts Neudeutung von „Salome“, dem Bibelpsychodram, das Richard Strauss nach der Vorlage von Oscar Wilde komponiert hat. Reinhardt interessieren die machtpolitischen Seiten der Geschichte. Die psychisch von ihrem notgeilen Stiefvater Herodes in die Enge getriebene Salome ist fasziniert vom Guerillakämpfer Jochanaan. Für seine Sichtweise verändert Reinhardt Handlungsdetails, dramaturgisch wunderbar schlüssig. Und er löst mit einer alptraumhaften Phantasmagorie den szenisch oft etwas öden „Tanz der sieben Schleier“
Klarer Regie-Schiffsbruch bei Mozarts „Idomeneo“
Bei Mozarts Antikenoper „Idomeneo“ erlitt der Regisseur Benedikt von Peter leider Schiffbruch. Apropos Wasser: „Rusalka“, die Oper über eine unglückliche Nixe von Antonín Dvořák, hat in dieser Spielzeit Barrie Kosky inszeniert, der im nächsten Jahr das Ruder der Komischen Oper übernehmen wird. Seine Inszenierung bleibt trotz einiger spannender Details unentschlossen zwischen betulicher Märchenerzählung und realistischem Psychodrama.
Eine konsequentere Linie hätte auch der jüngsten Premiere der Spielzeit geholfen, „Die Gespräche der Karmelitinnen“ vom schwulen Komponisten Francis Poulenc: Der sonst widerborstige Katalane Calixto Bieito macht aus der Geschichte über Nonnen in der Französischen Revolution ein Stück über Lebensangst und politische Courage. Optisch wird ein Frauenknast behauptet, aber der im Werk dominierenden Klosteratmosphäre wird szenisch nichts entgegensetzt. Bei der Hinrichtung der Nonnen verzichtet Bieito auf den wohl wirkungsvollsten Schluss der Operngeschichte. Und damit tut er sich wirklich keinen Gefallen.
Eckhard Weber
„Im Weißen Rößl“, 12.7., 19.30 Uhr, Tickets hier
„Salome“, 13.7., 19.30 Uhr, Tickets hier
„Rusalka“, 14.7., 19.30 Uhr, Tickets hier
„Idomeneo“, 15.7., 19.30 Uhr, Tickets hier
„Gespräche der Karmelitinnen“, 16.7., 19.30 Uhr, Tickets online nicht verfügbar
„Die Meistersinger von Nürnberg“, 17.7., 17.00 Uhr, Tickets hier
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