Bühne
Das Staatsballet tanzt Caravaggio
Die Wiederaufnahme im Schiller-Theater glänzt mit einem tollen Team – auf und hinter der Bühne, wieder Anfang Januar
© Enrico Nawrath
SIS 29.11.2010 – Caravaggios Gemälde „Amor als Sieger“ ist ein Bild wie ein Traum. Mit Liebespfeilen in der Hand und mehr als zweideutig grinst der splitternackte Lotterknabe auf den Betrachter herab. In aufreizender Pose, den braunen Lockenkopf keck zur Seite geneigt, stellt dieser Bengel geradezu provozierend seine knospende Männlichkeit zur Schau. Das berühmte Werk des großen italienischen Malers hängt in der Berliner Gemäldegalerie und gibt unter anderem auch Auskunft über den freizügigen Lebensstil etlicher alter Meister, deren Homosexualität in der Renaissance durchaus hoffähig war – wie vermutlich auch bei Caravaggio, dessen Leben das Staatsballett Berlin jetzt tänzerisch wieder in den Mittelpunkt rückt.
Caravaggio ist einer der geheimnisvollsten Maler der Kunstgeschichte und vor allem wegen der dramatischen Intensität seiner Gemälde berühmt geworden. Er wandelte oft auf dem schmalen Grat zwischen Erlaubtem und Verbotenem, zwischen der Bewunderung für seine Kunst und heftigem Widerspruch. Die Kontraste zwischen Hell und Dunkel, das Spiel mit Licht und Schatten und der erschütternde Realismus seiner Menschendarstellungen sind legendär.
Starkes Männerteam beim Staatsballett
Mauro Bigonzettis Uraufführung mit dem Staatsballett Berlin ging 2008 über die Bühne und wird jetzt wiederaufgenommen: „Denke ich an Caravaggio“, sagt der Choreograf, „denke ich immer an den Künstler und den Menschen zugleich, es sind diese beiden Seiten des menschlichen Seins, die mich im wesentlichen interessieren. Das Verhältnis dieser beiden Welten zueinander – einerseits das Innerliche, und wie dies andererseits im Künstlerischen zum Ausdruck kommt –
ist die Inspiration für diese Arbeit.“
Den schlichten Bühnenraum für sein Tanzstück entwickelte er gemeinsam mit Carlo Cerri, der auch für das Licht verantwortlich ist, das ja bei Caravaggio eine wesentliche Rolle spielt. Die Partitur für das Tanzstück stammt aus der Feder Bruno Morettis, der sich von Claudio Monteverdi inspirieren ließ, aus dessen umfangreichem Werk Stücke und Motive zusammenstellte und für ein modernes Sinfonie-Orchester instrumentierte.
Ein hörenswerter und vor allem auch ein überaus sehenswerter Ballettabend, denn sowohl Vladmir Malakhov als auch Polina Semionova sind auf der Bühne zu bewundern.
Andrea Winter
„Caravaggio“, Tanzstück von Mauro Bigonzetti, Musik von Bruno Moretti nach Claudio Monteverdi, Staatsballett Berlin im Schiller Theater
Wiederaufnahme:
28.11., 2.12., 3.12., 6.12., 9.12., 11.12.2010 sowie am 6. und 8.1. 2011
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