Siegessäule - Die lesbische Wirklichkeit: Maren Kroymann im Interview

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Die lesbische Wirklichkeit: Maren Kroymann im Interview


Maren Kroymann spielt in „Cabaret“ das Fräulein Schneider. Ein Gespräch über Musik und das Bild lesbischer Frauen in den Medien

© Jan Wirdeier

SIS 9.7.2010 – Frau Kroymann, genießen Sie die Proben zu Ihrem ersten Musicalauftritt? Es ist eine Herausforderung und ein Riesenspaß. Wenn man Jahrzehnte lang Fernsehen macht, sind Proben ja eher die Ausnahme. Es ist das erste Mal seit 30 Jahren, dass ich wieder in einem Ensemble auf der Bühne stehe. Das ist natürlich aufregend und die Mischung von Singen und Spielen liegt mir gut. Mir gefällt dieses präzise Proben, sich an die Figur annähern. Ich übe gerade meine Lieder, denn das ist ja eine andere Art von Musik als die, die ich sonst singe.

Wie kam die Musik in Ihr Leben und welche Bedeutung hat sie? Über dieses Thema habe ich gerade einen Artikel geschrieben in Elke Heidenreichs Anthologie „Träume von Musik“, die im Herbst erscheint. Da beschreibe ich, wie es anfing. Ich sang schon mit fünf Jahren in Tübingen im evangelischen Kirchenchor, im Chörle. Später in Berlin war dann der Hanns-Eisler-Chor wichtig. Ich habe einfach immer gesungen und das war normal.

Welche Akzente setzen Sie als Zimmerwirtin Fräulein Schneider? Ich erarbeite mir dieses ältliche Fräulein über die Lieder, da kann ich auch klitzekleine Nuancen setzen zwischen Ironie und Bodenständigkeit. Sie erfährt ja eine späte Liebe, die dann doch nicht geht, weil er Jude ist. Es ist eine sehr schöne Rolle, ich habe Angela Winkler darin gesehen und fand sie wunderbar!

In der Uraufführung 1966 am New Yorker Broadway spielte die legendäre Lotte Lenya Fräulein Schneider. Ja, und hier am Theater des Westens Hildegard Knef, ich glaube, auch Gisela May – ich darf gar nicht dran denken ...

Aber Sie setzen diese große Tradition doch fort. Ich guck mir das alles auch nicht auf Video an, sondern möchte es mir selbst so unvoreingenommen wie möglich erarbeiten.

„Cabaret“ spielt in der Endphase der Weimarer Republik und zeigt den Aufstieg der Nationalsozialisten. Es gibt manche Parallele zur Unterdrückung von Minderheiten heute. Ich bin ja keine echte Musicalfreundin, das ist nicht wirklich meine Fachrichtung, aber „Cabaret“ finde ich anders, weil der Stoff völlig brisant ist. Es ist eine richtig politische Geschichte, es geht um Menschen, die anders sind, es geht um Toleranz, um schleichende Anpassung und wie schnell es zur Desolidarisierung kommen kann. Wir können heute auch beobachten, dass die unterschiedlich auf uns reagieren, weil wir anders sind. Von der Rechtslage her hat sich zwar vieles verändert, aber trotzdem sind die Vorurteile noch in den Leuten drin, meiner Meinung nach manchmal auch völlig gleichzeitig. Nach außen hin gibt man sich politisch korrekt, aber wenn das eigene Kind homosexuell ist, ist es die Katastrophe. Die Bereitschaft, zu diskriminieren, sitzt ganz dicht unter der zur Schau getragenen Offenheit. Und diese Stadien zwischen völliger Akzeptanz und verdruckster oder offener Ablehnung existieren leider auch in Berlin, man muss nur einmal sonntags Hand in Hand durch den Grunewald gehen. 

Das ganz Interview von Andrea Winter steht in der aktuellen Siegessäule

„Cabaret“, 15.7.–29.8., Tipi am Kanzleramt. Karten im Siegessäule Online Shop

Mehr zur Location: Tipi

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