Siegessäule - „Endstation Sehnsucht“: im kleinbürgerlichen Schneckenhaus

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„Endstation Sehnsucht“: im kleinbürgerlichen Schneckenhaus


Der schwule Klassiker überzeugt am BE mit Anika Mauer und Dagmar Manzel – es fehlt aber die zündende Idee, wieder am 14.6.

Szene aus Endstation Sehnsucht am Berliner Ensemble

SIS 13.3.2011/update 4.6. – Tennessee Williams' „Endstation Sehnsucht“, das 1951 in der Verfilmung von Elia Kazan mit Vivian Leigh und Marlon Brando Kultstatus erlangte, gilt als schwuler Klassiker. Zum einen, weil es als Grundlage des dramatischen Konfliktes das Scheitern eines jungen Homosexuellen an dem Versuch thematisiert, über eine Scheinehe gängigen Moralvorstellungen zu genügen. Zum anderen, weil die Figur der alternden Südstaaten-Belle Blanche DuBois, die sich nach dem Verlust des Familienvermögens in einer imaginären Welt vergangener Grandezza bewegt, häufig als Prototyp eines Menschen gelesen wird, der/die aus der kleinkarierten heteronormativen Realität der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft brutal ausgegrenzt wird – eine Erfahrung, die dem schwulen Autor Williams nicht fremd war.

Trotz tollem Spiel von Anika Mauer und Dagmar Manzel bleibt man nach dem Stück ratlos zurück

Diese Lesart gelingt auch in der Inszenierung Langhoffs, der sonst als realistischer Langweiler mit Tendenz zur überepischen Breite bekannt ist. Das Gelingen ist hier allein dem leichten Spiel von Anika Mauer und Dagmar Manzel geschuldet. Anika Mauer gibt ihrer Stella eine pragmatische Heutigkeit, die in der ansonsten historisierenden Inszenierung erfrischend wirkt und sich auf zarte Weise mit der verschrobenen Welt aus Schönheit und Poesie verbindet, in der sich Dagmar Manzel feenhaft-divaesk als Blanche bewegt. Robert Gallinowski als dumpfbratziger Ehemann Stanley prallt an dem Kokon schwesterlicher Liebe derart glatt ab, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als dieses Gespinst mit brutalem Zynismus zu zertreten, um seine kleinbürgerliche Familienidylle zu retten.

Das ist schön gespielt und bei knapp dreistündiger Dauer durchaus kurzweilig anzusehen. Allein, es bleibt am Ende die Frage: warum dieses Stück? Mal ganz abgesehen davon, dass es gerade en vogue und von Hamburg bis Wien auf den Spielplänen der großen Häuser zu finden ist. Herr Langhoff will in seiner Inszenierung entweder keine Antwort darauf geben oder er weiß es selbst nicht.
Elke Koepping

www.berliner-ensemble.de

Endstation Sehnsucht, wieder am 14.6.

Mehr zur Location: Berliner Ensemble

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