Siegessäule - Entdeckt: Strauss unbekanntes Spätwerk „Die Liebe der Danae“

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Entdeckt: Strauss unbekanntes Spätwerk „Die Liebe der Danae“


Die Oper ist musikalisch überzeugend, die Inszenierung an der Deutschen Oper aber eher bieder, wieder 19.3.

SIS 27.1.2011 – 1940, als die Welt sich im Krieg verrennt und im Deutschen Reich Millionen Juden ermordet werden, beschäftigt sich der Komponist Richard Strauss mit antiker Mythologie. Er schreibt an seiner Oper „Die Liebe der Danae“, Untertitel: „Heitere Mythologie in drei Akten“. Weltflucht, Resignation, Gegenwelt? Strauss’ Verhältnis zu den Nazis war schillernd. Im Gegensatz zu vielen anderen Prominenten, die bis zum Schluss stramm standen, war Strauss nur am Anfang Mitläufer, während der Arbeit an „Danae“ längst nicht mehr.

Die Nazis, die den berühmten Komponisten gerne für ihre Propaganda instrumentalisiert hätten, begannen daraufhin, ihn und seine Familie unter Druck zu setzen. „Die Liebe der Danae“ sollte bei den Salzburger Festspielen 1944 uraufgeführt werden. Nach dem Attentat auf Hitler ließ Goebbels jedoch Ende Juli 1944 die Festspiele absagen. Da waren die Proben zu „Die Liebe der Danae“ schon in vollem Gange. Es gab schließlich nur eine halböffentliche Generalprobe zu Ehren des 80. Geburtstags von Strauss. Die Uraufführung 1952 in Salzburg erlebte er nicht mehr.

Die Handlung der Oper ist eine ziemlich krude Verbindung verschiedener Geschichten aus der griechischen Mythologie. König Midas (der, bei dem alles zu Gold wird, was er berührt) spielt mit und außerdem der Obermacho Jupiter mit seinen ganzen Flirts, Danae, aber auch Semele, Europa, Alkmene und Leda. Die Moral von der Geschicht’: Lieber mit dem Richtigen arm und glücklich als mit dem Falschen reich und unbefriedigt. Die Oper wird selten gespielt, dabei ist die Musik absolut hörenswert. Strauss greift tief in die bewährte Trickkiste seiner jahrzehntelangen Opernerfahrung.

Trotz Kritik an der Berliner Kulturpolitik ist das Stück sehr brav inszeniert

Kirsten Harms, die in ihrer Intendanz schon einige vergessene Opern ausgegraben hat, liegt das Stück am Herzen. Deshalb hat sie es jetzt in ihrer letzten Spielzeit inszeniert. Die in massig Gold getauchte, Luxus ausstrahlende Produktion übt subtil Kritik am Ausverkauf von Kultur. Ein Flügel hängt umgedreht drohend über der Bühne, aus einem Museum werden Gemälde veräußert. Damit richtet die Intendantin kurz vor ihrem Abgang von der Deutschen Oper auch Spitzen gegen die Kulturpolitik des Senats, der seinen Bühnen Sparzwänge auferlegt, bis es quietscht. Abgesehen von diesen dezenten Stichen erzählt die Inszenierung brav die Handlung, ohne eine besondere Lesart in dieser Geschichte um Macht, Geld, Abhängigkeit, Eitelkeit und Sex erkennen zu lassen. Eine Produktion, schön anzusehen, die nicht stört. Doch alleine schon die Musik des Stücks lohnt den Besuch. Es gibt tolle Sänger und phänomenale Orchestermomente, auch wenn die Blechbläser der Deutschen Oper am Premierenabend nicht gut aufgelegt waren. Aber das kann ja noch werden, eigentlich können sie’s ja.

Eckhard Weber

Deutsche Oper Berlin, Nächste Vorstellungen: 19.3.; 7.4.

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