Siegessäule - Flügellahme Fledermaus an der Staatsoper Unter den Linden

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Bühne

Flügellahme Fledermaus an der Staatsoper Unter den Linden


Regisseur Christian Pade mag nicht so recht eine moderne ansprechende Fassung einer der bekanntesten Operetten gelingen

© Ruth Walz

SIS 27.11.2009 – „Glücklich macht uns Illusion, ist auch kurz die ganze Freud“, singt Tenor Alfred – und mit der kurzen Freude behält er leider Recht. Die unverwüstliche Fledermaus von Operettenkönig Johann Strauss lässt Regisseur Christian Pade in Berlin „flattern“. Denn zwischen dem Wien der Uraufführung 1874 und dem Berlin 2009 gibt es schließlich Parallelen. Finanzkrise gestern wie heute, Cholera und Schweinegrippe, Verdrängung und Verlogenheit.
Das Spiel um Lug und Trug beginnt sehr kurzweilig in der Edelküche von Eisenstein (liebenswürdig: Martin Gantner) und seiner Frau Rosalinde (wienerisch lustig: Silvana Dussmann). Hausfee Adele (brillant: Christine Schäfer) sorgt für Fast Food – und die sängerischen Höhepunkte mit glänzenden Koloraturen. Dem Kühlschrank entspringt Rosalindes Lover Alfred (kraftvoll: Stefan Rügamer). Er spritzt seiner Angebeteten erst servicestark ihr Botox in die Stirne und wird dann irrtümlich verhaftet. Der eigentliche Delinquent Eisenstein genießt derweil das Nachtleben: „Ich habe mich entschlossen, dem Prekariat zu zeigen, wo der Hammer hängt!“
Mit dem Fest des Fürsten Orlofsky (farblos trotz Fuchsschwanz: Stella Grigorian) beginnt die Bruchlandung der armen Fledermaus an der Staatsoper. Bunte Punks und Freaks hopsen zu Walzer- und Polka-Klängen vor sich hin, im Chor singen auch hochgewachsene Transen. Stellt sich der Hamburger Regisseur so die Club-Szene der Hauptstadt vor? Das Publikum ist von der endlosen Retro-Danceshow gelangweilt. Gefängniswärter Frosch (Michael Maertens) berlinert zwar im letzten Akt vorzüglich und landet ein paar Pointen, aber über Scherze um Margot Honeckers Schlüpper mag dann kaum jemand noch herzlich lachen. „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“: Die Staatskapelle unter Zubin Mehta klingt schon in der Ouvertüre preußisch-zackiger, als dem Zuhörer lieb sein kann. Was soll´s: Schließlich sind wir in Berlin – und da regiert immer noch Paul Lincke. Holger Wetzel

Weitere Aufführungen: 27. und 29. November, 1., 3. und 6. Dezember, Staatsoper Unter den Linden


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