Siegessäule - Guy Cassiers scheitert an der Psychologie der Walküre

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Bühne

Guy Cassiers scheitert an der Psychologie der Walküre


Alles nur Projektion: Die Staatsopern-Premiere der Walküre enttäuscht – keine zündende Ideen und gesangliche Schwachstellen

© Monika Rittershaus

siegessaeule.de 21.4.2011 – Gleich nach Verklingen des Schlussakkords ertönt der überlaute Buh-Ruf: Überzeugt hat die Neuinszenierung der Walküre bei ihrer Premiere an der Staatsoper im Schillertheater wohl nur die wenigsten. Wenn es stimmt, dass Wagners Werk pure Psychologie ist, dann ist die Walküre eine einzige überdimensionierte Familienaufstellung. Durchgehend geht es um Konflikte innerhalb des verwandtschaftlichen Nukleus: Ehezwist zwischen den Göttergatten, Vater-Tochter-Konflikt zwischen Wotan und Brünnhilde, nicht zu vergessen der Inzest zwischen den Zwillingen Siegmund und Sieglinde.

Eine „tiefenpsychologische“ Inszenierung ist deshalb durchaus naheliegend. Guy Cassiers verzichtet dabei allerdings auf jede revolutionäre Neu- oder Umdeutung im Sinne des Regietheaters. Der musikalischen Psychologie Wagners versucht er stattdessen – Achtung, Gesamtkunstwerk! – eine Psychologie des Lichts und der Bilder zur Seite zu stellen –  Projektionen inbegriffen. Im Ansatz richtig und nachvollziehbar, scheitert Cassiers Konzept leider meist am Mangel an der zündenden Idee.

Das Publikum kichert über so manche inszenatorische Idee

Das wird wortwörtlich ausgerechnet am emotionsgeladenen Schluss überdeutlich: Der „Feuerzauber“ besteht aus einem Strauß Wärmelampen, der sich über die Walküre wie zu einer heilsamen Lichtkur herniedersenkt – unterdrücktes Kichern im Publikum ist die Folge. Einzig der zweite Akt, in der Wotan eine Erdkugel zur Seite gestellt wird, die nur aus Projektionen und sich ständig wandelnden Bildern besteht, mag überzeugen. Auch beim Fluchtort Wald gelingt Cassiers ein tiefenpsycholgisch wirksames Setting. Aber das reicht lange nicht – schließlich währt eine Walküre über fünf Stunden!

Im dritten Akt etwa passiert eine gefühlte Unendlichkeit gar nichts mehr. Fatal wirkt auch Cassiers unentschlossenes Changieren zwischen Abstraktion und Konkretisierung. Gerettet hätte diese Vorstellung – wie überall – eine musikalisch überragende Leistung. – Hätte! Zwar bilden sowohl Barenboim am Pult als auch René Pape als Wotan verlässliche Felsen in der Wagnerschen Klang-Brandung. Beide Sopranistinnen aber quälen sich mit hässlichen und scharfen Höhen durch ihre Partien. Iréne Therin, zur Zeit die große Wagner-Hoffnung in der Titelrolle, wurde am Ende sogar mit abebbendem (!!) Applaus bestraft. Welch ein Sturz aus dem Götterhimmel.

wieder am 22. und 25. April

Torsten Träger

www.staatsoper-berlin.de

Mehr zur Location: Staatsoper im Schiller Theater

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