Siegessäule - Händels „krasse Geschichte von Liebe und Raserei“, Theseus, an der Komischen Oper

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Bühne

Händels „krasse Geschichte von Liebe und Raserei“, Theseus, an der Komischen Oper


Elisabeth Sterzinger spielt in der Inszenierung von Benedikt von Peter den Theseus – zu sehen letztmalig in dieser Spielzeit am 14. April

© Monika Ritterhaus

Sanssouci hätte im 18. Jahrhundert eine queere Musikstätte werden können, mit einem schwulen König Friedrich II. und einem Hofkomponisten, der möglicherweise schwul war: Georg Friedrich Händel. Als Händel noch Gymnasialschüler war, wurde er am preußischen Hof präsentiert. Sein Vorspiel begeisterte den Regenten Kurfürst Friedrich III., Friedrichs Großvater, angeblich so sehr, dass er ihn anstellen wollte. Doch Händels Vater sah seinen Sohn lieber als künftigen Juristen und lehnte ab. Generell gilt für die nebulösen biografischen Details bei Händel: Näheres weiß man nicht. Doch Jubeljahre berühmter Personen sind stets Anlässe, um weiterzugraben. Vielleicht kommt ja anlässlich des 250. Todestages am 14. April auch Neues und Konkreteres über Händels sexuelle Orientierung.

Tatsache ist, dass Händel sich aus Frauen nichts machte und häufig mit schwulen Männern zusammen war. Schreiben einige Biografen von der „rätselhaften Gleichgültigkeit, die er schon in jungen Jahren gegenüber Dingen wie Sexualität, Politik und Religion an den Tag legte“, so haben andere Händels Umfeld genauer unter die Lupe genommen. In seinen ersten Londoner Jahren lebte der in Halle geborene Komponist mehrere Jahre im Haus von Richard Boyle, Earl of Burlington. Boyle war einer der reichsten Männer des Königreichs, bedeutender Mäzen und großer Musikliebhaber. Bald zog auch der Architekt William Kent zu ihm. Zwischen diesen beiden lief wohl etwas.

1713, in Händels erstem Londoner Jahr, wurde seine Oper „Theseus“ uraufgeführt. Im Händel-Jahr darf die Produktion der Komischen Oper natürlich nicht fehlen. Den antiken Mythos hat Regisseur Benedikt von Peter vor einem Jahr als krasse Geschichte von Liebe und Raserei in Kriegszeiten inszeniert, mit Schlammschlacht und Karaokeeinlage. Die Figuren verlieben sich kreuz und quer und meistens unglücklich. Theseus ist hier ein durchgeknallter, ausgebrannter Kriegsheimkehrer, sein Vater machtbesessen, Medea mit den Nerven am Ende, die übrigen berechnend und egoistisch. „Love is a battlefield“, das wusste schon Händel. Da kann Theseus (Elisabeth Starzinger in einer „Hosenrolle“) die Frauen noch so betörend anschmachten.

Eckhard Weber

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„Theseus“, 14.4. (zum letzten Mal in dieser Spielzeit), 19 Uhr, Komische Oper


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