Bühne
Hanna Schygulla: Mein Leben
Von 1.9.-6.9. singt und erzählt sie ihre musikalische Autobiographie in der Bar jeder Vernunft
© Schirmer / Mosel Verlag
SIS 29.8.09 – Sie galt als Lieblingsschauspielerin Rainer Werner Fassbinders, ihre Rollen als Effi Briest, Maria Braun, Lilli Marleen sind unvergessen. Vor 13 Jahren begeisterte die Wahlfranzösin schon einmal in der Bar jeder Vernunft, nun kehrt sie zurück mit ihrer musikalischen Biografie „Aus meinem Leben“. Gekonnt erzählt sie ihre Geschichten, singt Lieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch den Lauf der Zeit widerspiegeln: „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Wochenend und Sonnenschein“ als Klangteppich zum Holocaust, Janis Joplins „Me and Bobby Mc Gee“ als Soundtrack ihrer Pubertätsjahre und „Alles aus Leder" als Hommage an Fassbinder. Sehr bewegende, fast private zwei Stunden.
SIS: 13 Jahre sind seit Ihrem letzten Auftritt in der Bar jeder Vernunft vergangen, warum die lange Abwesenheit ?
Hanna Schygulla: Es ist ja nicht so, dass ich in der Zwischenzeit nichts gemacht hätte. Ich habe sechs ganz unterschiedliche Chansonprogramme auf die Bühne gebracht, nur eben nicht in der Bar jeder Vernunft.
Welche Lieder hören wir in Ihrem neuen Programm?
Es fängt beispielsweise an mit den Liedern, die man spielte, als ich noch im Bauch meiner Mutter war. Es sind allesamt Stücke, die einen persönlichen Bezug zu meinem Leben haben. Dieser rote Faden ist mir wichtig, also nicht unbedingt die Lieblingslieder der damaligen Zeit, sondern mein persönlicher Bezug zu Ihnen.
Wie viel Platz wird Ihre Zeit mit Fassbinder im Programm einnehmen?
Er kommt auf jeden Fall vor. Klar, das ist ja ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. Aber Sie können sich vorstellen, dass ich nicht immer juble, wenn es um diesen Abschnitt geht. Das ist eben auch nur ein Teil von mir und das Thema ist mittlerweile ganz schön ausgelutscht. Aber natürlich kommt er vor, weniger mit Liedern, als mit seinen Gedichten und Texten, die er geschrieben hat: „Alles in Leder“ beispielsweise, oder ein Text, in dem er sich lustig macht über den Macho an sich. So frech, wie ich ihn kennen gelernt habe damals, als schüchternen Jungen immer in Lederjacke, so kommt er auch in meinem Programm vor.
Wie erklären Sie sich, den großen schwulen Anteil an ihrem Publikum?
Die Schwulen gehen ja gern zu Veranstaltungen, die an der Grenze zum Kabarett sind, und sie zahlen auch gern dafür, gehen nicht davon aus, immer alles umsonst zu bekommen. Ihnen sind solche Abende noch was wert. Und es ist ein tolles Publikum. Sicher hat diese Faszination auch noch mit Fassbinder zu tun, aber auch damit, dass Schwule Frauen auf einer bestimmten Ebene doch mögen und etwas für Diven übrig haben. Ich bin sicher keine große Diva, aber so etwas wie eine Legende. Und das wird von Schwulen nicht immer hinterfragt, es gehört zur Würze ihres Lebens. Man kann alles ironisieren oder auch ernst nehmen, und sie nehmen mich ernst.
Interview: Gunnar König
Premiere: 1.9., 20 Uhr, Bar jeder Vernunft. Noch bis 6.9.
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