Siegessäule - Kleist im Maxim Gorki Theater: „Kleistfestival” , 4.-21.11

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Kleist im Maxim Gorki Theater: „Kleistfestival” , 4.-21.11


Das Theater zeigt alle Dramen von Heinrich von Kleist. Eine Frage bleibt offen: War er wirklich schwul?

© Ullstein Bild Portrait Heinrich von Kleist

siegessaeule.de 3.11.2011 – Zum 200. Todestag Heinrich von Kleists setzen sich zahlreiche Veranstaltungen mit Leben und Werk des Dichters auseinander. Ob er homosexuell war oder nicht, ist bis heute viel diskutiert, aber aufgrund der sehr mäßigen Quellenlage kaum zu klären. Der zu Beginn des 20. Jahrhunderts offen schwul lebende Journalist und Schriftsteller Peter Hamecher war einer der Ersten, die Indizien in Kleists Briefen dafür zu finden suchten und so ganz unplausibel will diese Deutung auch nicht scheinen.

Kleist als Dichter ist in seiner Zeit ein singuläres Phänomen. Das, was ihn heute modern erscheinen lässt, stößt zu seinen Lebzeiten auf Unverständnis. Die brüchigen, zerrissenen Lebensentwürfe seiner Figuren scheinen eher in die heutige Zeit zu passen, in der stringente Lebensläufe nahezu nicht mehr existieren. Die Wuchtigkeit, mit der er das Entsetzen in seinen Tragödien aufreißt, das unversöhnlich seinen Lauf nimmt, die Brutalität seiner Dramen passen nicht in die modischen Strömungen einer Epoche, die vom humanistischen Ideal der Aufklärung geprägt ist und gerade das bürgerliche Trauerspiel favorisiert. Seine Figuren sind innerlich zerrissen von den Leidenschaften, die in ihnen toben und sich wie im Rausch an die Oberfläche ihres Empfindens drängen.

„Du lieber Junge; so umarmte Dich meine ganze Seele!“

Es bietet sich in der Tat schön an, diese innere Zerrissenheit zwischen Pflicht und Gefühl, die Kleists Dramenfiguren durchzieht, auf seine eigene Biografie anzuwenden. Sein Leben lang war er ein Suchender, der nie irgendwo ankam. Als Spross einer pommerschen Adelsfamilie war ihm eine preußische Beamtenlaufbahn sicher, doch Kleist verweigerte sich dem vorgezeichneten Weg, ebenso wie er sich sein Leben lang einer realen Beziehung zu einer Frau verweigerte. Auch die Ende der 80er-Jahre erschienene Biografie Hans Dieter Zimmermanns versucht dies als Ergebnis einer nicht gelebten Homosexualität zu deuten. Insbesondere die Freundschaft zu Ernst von Pfuel steht hier zur Debatte, die immer wieder als zweite große Liebesbeziehung Kleists nach dem Verlöbnis mit Wilhelmine von Zenge interpretiert wird. Als Indiz gelten die überschwänglichen Briefe Kleists, wie dieser aus dem Jahr 1805: „Dein kleiner, krauser Kopf, einem feisten Halse aufgesetzt, zwei breite Schultern, ein nerviger Leib, das ganze ein musterhaftes Bild der Stärke ... ich hätte bei Dir schlafen können, Du lieber Junge; so umarmte Dich meine ganze Seele!“ Letztlich bleibt aber jede versuchte Deutung nicht mehr als eine Interpretation von vielen.

Sein Freitod am Kleinen Wannsee jährt sich am 21. November zum 200. Mal. Neben der Doppelausstellung in Berlin und Frankfurt/Oder „Kleist: Krise und Experiment“ bietet das Maxim Gorki Theater ein veritables Festival an, bei dem alle Dramen Kleists gezeigt werden, darunter in Inszenierungen von Armin Petras und Jan Bosse. Vielversprechend erscheinen auch der Beitrag von She She Pop im Gorki, die sich der Erzählung der „Marquise von O.“ annehmen, und Rimini Protokolls Variante der Hermannsschlacht im HAU2. All dies lässt eine facettenreiche Auseinandersetzung mit Biografie und Werk Heinrich von Kleists erwarten. Alles andere als trübe Aussichten für den November.   
Elke Köpping

Kleist-Termine
„Kleistfestival“, Maxim Gorki Theater, 4.–21.11.

„Herrmann’s Battle – Kleist von Rimini ­Protokoll“, HAU2, 14.–18.11., 20 Uhr

„Die Akte Kleist“, ­Filmmuseum Potsdam, 18.11., 20 Uhr, mit Meret Becker und ­Alexander Beyer

„Kleist: Krise und ­Experiment“, Ephraim-Palais/Stadtmuseum Berlin, Ausstellung bis 29.1.2012


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