Siegessäule - „La Esmeralda“: campy Old-School, die überzeugt

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Bühne

„La Esmeralda“: campy Old-School, die überzeugt


Das Staatsballett Berlin mit einer historischen Rekonstruktion, mehrere Termine im Mai

© Enrico Nawrath

SIS 3.5.2011 – Geradewegs ins Ballettmuseum nimmt einen „La Esmeralda“ mit, die Neuproduktion des Staatsballetts Berlin. Gezeigt wird eine Choreografie von Marius Petipa nach der berühmten Vorlage „Der Glöckner von Notre Dame“ von Victor Hugo. Petipa war Starchoregraf im zaristischen Russland und kreierte auch die berühmten Ballette von Peter Tschaikowsky. Für unsere Zeit haben die beiden russischen Choreografen Yuri Burlaka und Vasily Medvedev eine Rekonstruktion von „La Esmeralda“ erstellt.

Dementsprechend ist auf der Bühne natürlich Old School zu sehen: Gemalte Kulissen mit perspektivischen Wirkungen zeigen ein romantisches Mittelalter-Paris, wie man sich das so im 19. Jahrhundert im Theater vorstellte­. Das Stück ist ein typisches, farbiges Handlungsballett jener Epoche. Es gibt dicht bevölkerte Straßenszenen mit Mönchen, Nonnen, Gauklern, Bettlern, Soldaten, Adeligen, Handwerkern, ritterliche Gemächer, glanzvolle Ballsäle, wilde Maskeraden. Das ist atmosphärisch dicht, abwechslungsreich und glamourös. Esmeralda, das einfache Mädchen von der Straße, trägt natürlich ein edles Bustierkleid, Strass und Pailletten. Pompös, übertrieben, künstlich, zickig kann man das nennen. Und es wirkt heutzutage ohne Zweifel ungeheuer campy, auch wenn die Macher das vor über 100 Jahren sicherlich nicht im Sinn hatten, sondern edles, elegantes Ballett zeigen wollten. Aber echter Camp ist es ja auch nur, wenn es richtig gut gemacht ist.

Das Tolle bei dem ganzen Spektakel: das Ergebnis ist überraschenderweise kein bisschen verstaubt, sondern sehr sehenswert und hat sogar Sogwirkung. Die für das Stück geschriebene Ballettmusik des Italieners Cesare Pugni, heute total vergessen, damals ein begehrter Lieferant für den Tanz, hat kein bisschen von ihrer suggestiven Wirkung eingebüßt. Und selbstverständlich wird auf hohem Niveau getanzt, mit Leichtigkeit und beneidenswert unangestrengt. Ein runder Ballettabend, auf den man sich gerne einlässt.

Eckhard Weber

„La Esmeralda“, Staatsballett Berlin, wieder am 6., 13., 22. Mai

Mehr zur Location: Deutsche Oper

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