Siegessäule - Neue „Salome“ ab 10. April in der Komischen Oper

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Bühne

Neue „Salome“ ab 10. April in der Komischen Oper


Ein sinnliches Musikdrama von Richard Strauss. Aber hat der Komponist die doppeldeutige Vorlage von Oscar Wilde durchschaut?

© Andreas Mühe Thilo Reinhardt inszeniert Strauss' „Salome“

SIS  9.4.2011 – „Strauss hält die geistreiche Salome von Oscar Wilde für tragisch; ein Paradebeispiel für deutsche Trotteligkeit“, sagte der schwule französische Dichter Jean Cocteau abfällig über die Oper „Salome“ von Richard Strauss. Ob er sie nun richtig verstanden hat oder nicht: eine so sinnliche, farbenreiche, leidenschaftliche, berauschende Musik wie in „Salome“ hat Strauss nie wieder geschrieben.

Die Oper wurde 1905 in Dresden uraufgeführt. Die Kirche zeterte damals und auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. unkte, Strauss werde sich mit der Oper furchtbar schaden. Von dem „Schaden“ konnte sich Strauss eine Villa in Garmisch bauen, wie er später süffisant bemerkte. Oscar Wilde, dessen Stückvorlage Strauss als Karrieresprungbrett diente, war da schon tot, verarmt gestorben. Als Wildes Drama „Salome“ 1896 in einem Pariser Avantgardetheater uraufgeführt wurde, saß er in England im Gefängnis.

„Salome“ schockierte in der Kaiserzeit zweifellos: Der Mann wird präsentiert als bloßes Sexobjekt für die Frau, die über Leichen geht und ihre Macht ausspielt. Und in der ersten Szene gibt es Andeutungen schwuler Liebe zwischen einem Pagen und einem Soldaten. Regisseur Thilo Reinhardt (Foto), der jetzt das Stück an der Komischen Oper inszeniert, nimmt die soziale Sprengkraft des Stücks unter die Lupe: Salome, die verwöhnte, aber emotional vernachlässigte Tochter aus der Oberschicht, ist fasziniert vom Rebellen aus der Unterschicht, dem Propheten Jochanaan, der im Palast ihres Stiefvaters Herodes gefangen gehalten wird. Die Geschichte endet blutig: Auf Salomes Annäherungen reagiert Jochanaan entrüstet. Stattdessen zeigt Herodes Interesse an seiner Stieftochter. Salome tanzt für ihn und bittet als Lohn den Kopf des Propheten, den sie dann küsst.
Eckhard Weber

Salome“, Komische Oper,laufend Termine im April und Mai

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