Siegessäule - Ripley und die Puppenmänner: „Alien“ am Ballhaus Ost

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Bühne

Ripley und die Puppenmänner: „Alien“ am Ballhaus Ost


Das Ballhaus Ost eröffnet die Spielzeit mit einer Punk-Puppentheateradaption von „Alien“

SIS 23.9.2010 – Es ist sehr dunkel im Saal. Beleuchtet wird alleine ein Metallgerüst, das offensichtlich als Bühne dient. Auf dem Gerüst stehen Männer in ausgebeulten langen Unterhosen. Sie halten Schaumstoffpuppen in den Händen und saugen an etwas, das aussieht wie Plüschbrüste. Ein Film, auf eine rohe Wand projiziert, zeigt eine Frau, die hektisch in die Kamera spricht ... Es ist die Schauspielerin Abak Safaei-Rad, sie spielt Ellen Ripley, Hauptperson des Theaterstücks „Alien – Die Wiederkehr“. In der Tat hat Lieutenant Ripley allen Grund, hektisch zu agieren: Ihr Raumschiff ist defekt, nur knapp kann sie auf Fury 161 notlanden, einem Planeten von beispielloser Tristesse. Hier fristen Verbannte ein monotones Dasein, unterdrücken ihre Emotionen und pflegen sinnentleerte Rituale. Selbst wenn die Männer etwas sagen, wirkt es autistisch. In diese erstarrte Welt dringt jetzt Ripley ein und irritiert durch ihre Lebendigkeit. Neugierig umkreisen die Gefangenen den Eindringling und allmählich breitet sich das „Alien“ aus, das dem Stück seinen Namen verleiht, denn Ripleys Menschlichkeit, ganz entschieden ein Fremdkörper auf Fury 161, färbt auf die Verbannten ab und kommt einige von ihnen teuer zu stehen.

Als Sigourney Weaver 1979 Ellen Ripley spielte, war sie eine echte Pionierin, denn bis dahin wurden Frauen im Science Fiction-Genre allenfalls als Handlangerinnen oder schöne Opfer eingesetzt. Der mittlerweile legendäre Kinofilm „Alien“ inspirierte Regisseurin Mareike Mikat und die Puppentheatergruppe „Das Helmi“ zu einer trashigen, sehr intelligenten  Fortsetzung. Es ist ein Markenzeichen der Künstler von „Das Helmi“, sich nicht hinter ihren Puppen zu verbergen. Mal scheinen die „Helmis“ mit den Schaumstofffiguren zu verschmelzen, dann wieder verkörpern sie davon unterscheidbare Personen.

Mikat setzt vielfältige Verfremdungseffekte ein – SchauspielerInnen wechseln ihr Kostüm auf der Bühne, Satzfetzen werden bis zur Bedeutungslosigkeit rhythmisch wiederholt. Die kann auf tiefere Ebenen verweisen, ist gleichzeitig jedoch äußerst amüsant. Leider bleibt bei aller Parodie die klischeehafte Gleichsetzung von Weiblichkeit und Emotionalität ungebrochen.

Jasper Backer

„Alien – die Wiedervereinigung“, 23.,–26.9., 20 Uhr, Ballhaus Ost  

Mehr zur Location: Ballhaus Ost

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