Siegessäule - Robert Carsen bringt Verdis „Macbeth” nach Berlin, ab 12.6.

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Bühne

Robert Carsen bringt Verdis „Macbeth” nach Berlin, ab 12.6.


Kann man in einem Interview über Schwule in Diktaturen UND Klangfarben Verdis sprechen? Ja, hier ist der Beweis!

© Christoph Ruckstuhl Robert Carsen

siegessaeule.de 12.6.2011 – Herr Carsen, die Deutsche Oper Berlin zeigt Ihre Kölner Inszenierung von Verdis „Macbeth“. Darin gibt es Hinweise auf die Situation in Chile unter Pinochet, das Mao-Regime in China, auf die kommunistischen Diktaturen Osteuropas und die Nazi-Diktatur.
Die Produktion beinhaltet offene Verweise auf verschiedene totalitäre Sys­teme. Eine Inszenierung ist wie ein Buch mit verschiedenen Lesarten. Sie enthält immer die Andeutungen, die der Zuschauer konkret daraus liest.

Häufig geraten in Diktaturen Schwule ins Fadenkreuz. Wie ist das in Ihrer Inszenierung?
In Verdis „Macbeth“ wird das gesamte Volk zum Opfer. Der Chor singt vom „Patria oppressa“, vom unterdrückten Vaterland. In Diktaturen, z. B. bei den Nazis mit ihrer Rassenideologie, werden Gruppen, die irgendwie „anders“ sind, als störend betrachtet. In Demokratien traut man sich heutzutage nicht mehr, Schwule ins Visier zu nehmen.

Heißt das, dass Homos in den heutigen Demokratien voll akzeptiert sind?
Es mangelt häufig noch an Verständnis für die Situation von Lesben und Schwulen. Viele Heteros denken, dass bei Homosexuellen eine Wahl bestehen würde. So, als ob man sich zwischen Rot- oder Weißwein entscheidet. Das ist natürlich völlig falsch, man weiß das ja vom eigenen Coming-out. Gerade hier zeigen uns viele Opern, dass unsere Leidenschaften, unsere Gefühle und die Impulse, die aus uns kommen, nicht intellektuell kontrolliert werden können. Sie sind einfach da. Deshalb lieben vielleicht Lesben und Schwule auch Oper so sehr. Viele Operncharaktere sind Außenseiter und haben das Gefühl, isoliert zu sein. Dieses Gefühl und die damit verbundenen Konflikte und Kämpfe kennen Lesben und Schwule aus ihrer Jugend nur zu gut.

Zurück zu „Macbeth“, ­gewichtet Verdi in seiner Oper die Handlung anders als Shakespeare?
Verdis Musik in „Macbeth“ hat einen stark martialischen Charakter. Das macht seine Oper viel pessimistischer als die Schauspielvorlage von Shakespeare. Verdi komponiert einen kupferfarbenen, dunklen Klang. Die beiden Hauptpartien haben tiefe Stimmen, Macbeth ist ein Bassbariton, Lady Macbeth ist ein Mezzosopran beziehungsweise ein tiefer Sopran. Verdis Partitur ist düster gefärbt. Bei Shakespeare kann man am Ende Optimismus herauslesen. Im Finale von Verdis Oper fühlt es sich für mich dagegen so an, dass der Teufelskreis der Gewalt weitergeht.
Interview: Eckhard Weber

Macbeth, 12.6. (Premiere), 16., 19., 21., 24., 28. + 30.6., 18 Uhr,
Deutsche Oper Berlin


Mehr zur Location: Deutsche Oper


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