Siegessäule - Robert Wilsons „Woyzeck” endlich auch in Berlin

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Robert Wilsons „Woyzeck” endlich auch in Berlin


Wilsons Theaterfassung von Georg Büchners Stück mit der Musik von Tom Waits und Kathleen Brennan in den Kammerspielen, wieder am 2. Januar

© Arno Declair

SIS  25.11.2009 –  Büchners Stück über das Schicksal Franz Woyzecks – nach einer wahren Begebenheit geschrieben – gehört mittlerweile zum Standardrepertoire der deutschen Bühnen. Robert Wilson brachte die Geschichte vor neun Jahren gemeinsam mit Tom Waits und dessen Frau Kathleen Brennan als eine Art Musical auf die Bühne, und das obwohl Büchners Stück so gar nicht der Stoff scheint, aus dem man Komödien mit Gesang bastelt. Doch der Erfolg gab ihnen Recht, die Songs des Stückes liefen damals noch wochenlang in Bars und Cafes als Hintergrundmusik, nicht nur in Kopenhagen, wo Wilsons Woyzeck damals Premiere feierte.

In Jorinde Dröses Inszenierung in den Berliner Kammerspielen sieht man sich versetzt in eine bretterbudenartige Zirkus-und Rummelwelt, in der die Figuren agieren und die zum Stück hervorragend passt, denn wie im Kuriositätenkabinett werden die einzelnen Typen vorgestellt: Der melancholische Hauptmann (Matthias Neukirch), der Woyzeck Vorwürfe macht, weil der unverheiratet mit seiner Marie zusammenlebt und ein Kind „ohne den Segen der Kirche” hat. Der Doktor (Helmut Mooshammer), der ihn mit einer Erbsendiät wochenlang quält, oder der Tambourmajor (Christoph Franken), ein dicker, in feinen Zwirn gekleideter Angeber, der es auf Woyzecks Marie abgesehen hat.

Wie in einem überkandidelten Puppenspiel werden die Figuren von den Darstellern mit unglaublich viel Spielfreude, Selbstironie und Begeisterung vorgeführt, trotzdem erkennt man dahinter immer noch die einzelnen Menschen: Woyzecks Marie (Maren Eggert), ein zartes, zurückgenommenes Wesen oder Woyzeck selbst (Moritz Grove), der Gedemütigte, Gejagte, der – nachdem er seine Marie aus Eifersucht getötet hat – sich selbst im Teich ertränkt.

Die Musik von Tom Waits und Kathleen Brennan: Moritatenhafte Songs, von der kleinen Band im Hintergrund der Bühne kirmeshaft laut, aber auch mal ganz sentimental romantisch  begleitet:  „I'd sell your heart to a junk man, baby”, „The ship is sinking”, oder „My Coney Island Baby” werden von den Darstellern nicht wohltönend interpretiert, sondern klingen so, als hätten sie von Anbeginn zu Büchners Stück gehört.

„Misery's the River of the World”, der Schlusssong bleibt einem auf dem Nachhauseweg noch lange im Ohr, während man sich nach diesem furiosen, wenn auch kurzen Theatergenuss freut, dass es einem – im Vergleich zu Woyzeck – dann doch eigentlich ganz gut geht.
Gunnar König

Deutsches Theater, Kammerspiel | Alle Termine sind ausverkauft, Restkarten gibt es an der Abendkasss | Termine: 25./28.11., 6./11./20./25.12.09, 2.1.2010


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