Siegessäule - „Romeo und Julia ist allzu romantisch"

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„Romeo und Julia ist allzu romantisch"


Der schwule Schauspieler Bruno Cathomas inszeniert erstmals Romeo und Julia (wieder Anfang April) – hier ist er im Interview

SIS 28.1./update 15.3.2011 – Der gebürtige Schweizer Bruno Cathomas (Foto) lebt seit 19 Jahren in Berlin. Hier wurde er als Schauspieler auf den Brettern der Schaubühne und der Volksbühne bekannt. Jetzt inszeniert er am Hans Otto Theater in Potsdam „Romeo und Julia“

SIS: Wie wurden Sie als Schauspieler zum Regisseur?

Bruno Cathomas: Das war ein fließendes Nebeneinander. Anfangs arbeitete ich mit der Jugendgruppe P14 an der Volksbühne und dann in Basel zum ersten Mal mit Profis.

Wie ist der Perspektivenwechsel?
Ich kann als Schauspieler besser einschätzen, wie ich auf Regisseure wirke. Außerdem weiß ich jetzt, was eine Ansage des Regisseurs bei Schauspielern auslösen kann.

Gerade inszenieren Sie „Romeo und Julia“. Eine Liebe, die von der Gesellschaft als unmöglich befunden wird, das kennen viele schwule und lesbische Jugendliche nur zu gut. Sehen Sie da Analogien?
Zuerst überlegte ich, Romeo und Julia mit zwei Männern zu besetzen, wie zu Zeiten Shakespeares. So hätte sich heute erklärt, warum die Familien diese Verbindung nicht zulassen und die Liebe trotzdem stärker als jede Barriere ist. Auch schwule Männer meiner Generation mussten ihre Sexualität und ihre Liebe gegen Widerstände durchbringen. Ich entschied mich aber anders, weil diese konkrete Problematik das Stück zu stark überlagert hätte. Mich interessierte, einen Abend über die Liebe im Allgemeinen zu inszenieren.

Warum?
„Romeo und Julia“ ist eine allzu romantische Vorstellung von Liebe. Es zeigt das katholische Ideal, dass man sich treu bis in den Tod bleibt, durchexerziert in einer komprimierten Version. Das erlebt ja kaum ein Mensch in seinem Leben. Zu fragen, warum dieses Ideal seit den Nullerjahren vor allem in amerikanischen Filmen zu uns schwappt, interessiert mich. Warum hat man so ein unrealistisches Bild, was Liebe sein soll? Ist das reaktionär? Ja, das ist sehr rückwärtsgewandt. Das einzig Revolutionäre an dieser Liebe ist ihre Selbstbestimmheit. Die Frau entscheidet sich für diese Liebe, macht den Antrag. Da unterscheidet sich Julia von anderen Heldinnen Shakespeares. 

Interview: Peter Fuchs

„Romeo und Julia“ feiert am 28.1. um 19.30 Uhr in Potsdam Premiere. Weitere Aufführungen: 1.4., 4.4., 9.4., 10.4. Hans Otto Theater Potsdam


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