Siegessäule - „Schwarze Jungfrauen“: perfekte Symbiose von Sex und Islam

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„Schwarze Jungfrauen“: perfekte Symbiose von Sex und Islam


Das vieldiskutierte Theaterstück ist jetzt wieder im Ballhaus Naunynstraße zu sehen

© Ute Langkafel, Mai.Foto

SIS 2.6.2010 – Die Theaterarbeit des Kreuzberger Filmemachers Neco Çelik basiert auf Interviews, die Feridun Zaimoğlu und Günter Senkel mit jungen „Neomosleminnen“ in Deutschland geführt haben. „Neo“ – das klingt ja so gut wie immer beunruhigend und bedeutet, dass sich eine ohnehin verdächtige Bewegung modernisiert und verjüngt hat und jetzt vermutlich noch stärker und schlagkräftiger geworden ist.

Den „schwarzen Jungfrauen“ im Stück geht es unter anderem um die perfekte Symbiose von Sex und Islam; ihre fromme These lautet diesbezüglich: Nackt ist nicht gleich ungläubig und voll bandagiert ist nicht gleich Gott total unterworfen.

Das dokumentarische Stück entstand 2006 als Auftragsarbeit von Şermin Langhoff (künstlerische Leiterin des Ballhaus Naunynstraße) für das von ihr entwickelte und kuratierte Migrationsfestival „Beyond Belonging", in dessen Rahmen die Uraufführung im März 2006 im Hebbel am Ufer stattfand. Damals sorgte das Stück gleich für Furore und gehörte zu den meistdiskutierten Theatertexten des Jahres.

„Schwarze Jungfrauen“ ist monologisch aufgebaut und bietet Einblick in das Leben von zehn zumeist kopftuchtragenden muslimischen Frauen, etwa „die Bosnierin“, „das Partymädchen“ oder „die Konvertierte“. Dabei kommt radikales oder – wie Zaimoğlu sagt – auch „widerwärtiges“ Gedankengut zum Ausdruck, zum Beispiel fallen antisemitische Äußerungen. Gleichzeitig wird aber auch das verallgemeinernde westliche Bild der kopftuchtragenden Unterdrückten zerschlagen.

Zaimoğlu zufolge beschäftigt sich „Schwarze Jungfrauen“ mit einer „Minderheit in der Minderheit in der Minderheit“, womit er darauf hinweist, dass schon die orthodoxen MuslimInnen in Deutschland verhältnismäßig rar gesät sind. Und die Ultraorthodoxen stellen innerhalb dieser Minderheit eine noch kleinere Gruppe dar.

Çeliks Inszenierung bleibt dokumentarisch, seine Bühne spielt mit dem voyeuristischen Effekt, der sich einstellt, wenn Angehörige der Mehrheitsgesellschaft einen Blick auf ihnen fremde Lebenswelten werfen, die sie vielleicht bestenfalls aus den Medien kennen. Zweifelsohne machen ihnen die Kopftuchfrauen Angst, denn die „schwarzen Jungfrauen“ können sich gut artikulieren, sind gebildet, vital, selbstbewusst und nicht ungefährlich.

Vorsicht coole Frauen!

Andrea Winter

2.–5.6., 20 Uhr, Ballhaus Naunynstraße

Mehr zur Location: Ballhaus Naunynstraße


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