Siegessäule - Seilchenspringen für die Oper: „Was wir fühlen #2“

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Bühne

Seilchenspringen für die Oper: „Was wir fühlen #2“


Das Ensemble Novoflot präsentiert den zweiten Teil seiner Trilogie. „Erschöpfung“ überzeugt mit Tempo, Ironie und Biss

© Richard Rocholl

SIS 1.10.2010 – Eine Arie wie ein Monster: die junge Mezzosopranistin hat Angst vor den Anforderungen einer mörderischen Strauss-Nummer aus „Ariadne auf Naxos“, deren abstrakter Text ihr sowieso nichts sagt. Wie soll sie da Ausdruck bringen? Der reife Tenor befürchtet, die übermäßige Gefühlsaufwallung seiner Bravourarie aus Mascagnis „Cavalleria rusticana“ könne ihm noch den Garaus machen. Die erfahrene Sopranistin zelebriert mit geballter Leidenschaft das Sterben im Wüstensand von Puccinis Manon Lescaut. Der tyrannische Countertenor kommandiert alle herum, während er Händel-Koloraturen gurrt. Oper ist schön, macht aber viel Arbeit – und ist anstrengend für Sänger, nervenaufreibend und kräftezehrend.

„Erschöpfung“ nennt die Operntruppe Novoflot den zweiten Teil ihrer ziemlich intelligenten Trilogie, die prägnant Schlaglichter auf das „unmögliche Kunstwerk“ Oper wirft. Zu Musik von Joseph Haydn bis Depeche Mode werden in einer furiosen Performance Opernsituationen auf ihren Erschöpfungsgrad abgeklopft, ironisch, bissig, originell. Drei PianistInnen unterstützen das vierköpfige Vokalensemble, doch auch die SängerInnen greifen mal in die Tasten oder zur Geige. Das Ganze hat viel Tempo und überraschende Wendungen. Zur Motorik der Barockoper wird gehopst, was, siehe da, genau dem Wesen dieser Musik entspricht. Und bei Elektras Schlusstanz schleppt sich eine Sängerin nur noch wild zuckend über die Bühne. So ist Oper, grell, verrückt, exaltiert, übertrieben, ekstatisch. Eine Produktion, unbedingt empfehlenswert und gut geeignet, böse Schwellenängste vor der Oper zu verscheuchen. Denn die kann selig machen, wenn man so einen grandiosen Opernpasticcio-Abend erlebt, bei dem Timing und Rhythmus stimmen.

Eckhard Weber

„Was wir fühlen #2: Erschöpfung“, 1.–3.10., 20.30 Uhr, Sophiensaele

Mehr zur Location: Sophiensaele

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