Siegessäule - Shakespeares Sonette am BE – wieder am 28. und 29.4.

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Bühne

Shakespeares Sonette am BE – wieder am 28. und 29.4.


Premiere im Berliner Ensemble: Robert Wilson inszeniert anders, eben unkonventionell. Rufus Wainwright hat die Musik dazu geschrieben

© Berliner Ensemble/Lesley Leslie-Spinks Jürgen Holtz als Elisabeth I., Christopher Nell als Eve und die grandiose Inge Keller als Shakespeare himself (von rechts)

SIS 14.4.09 –  Shakespeare lieben alle, den muss man einfach lieben, das gehört sich so und ist ja auch richtig. Er ist auch nach Hunderten von Jahren der unbestrittene Meister der englischen Dichtkunst. Unumstritten allerdings nicht immer. Vor 400 Jahren echauffierte man sich über seine Sonette. Nach den damaligen Gepflogenheiten hatte sich diese spezielle Form des Gedichts ausschließlich an eine helle, schöne Frauengestalt zu richten. Shakespeares Sonette wandten sich jedoch an einen schönen jungen Mann ("Fair Boy") und eine dunkle Dame ("Dark Lady") – ein Skandal! Und noch heute ein Meisterwerk.

Auch Robert Wilson hält sich nicht gerne an Konventionen. Seit 1966 scheiden sich an den Inszenierungen des schwulen Regisseurs aus Texas die Geister. Zu anstößig, zu unkonventionell, zu banal und zu respektlos gegenüber den altehrwürdigen Urhebern der Opern (die er meist inszeniert) sind seine Versionen, wie viele Kritiker meinen. Nun, Wilson macht einfach zu vieles anders als erwartet. So auch bei seiner Version von Shakespeares Sonetten. "Zirkus mit Singsang" titelt die Berliner Morgenpost, "unangenehm laut" findet der Tagesspiegel die zweite Hälfte.

Ja, Wilson überanstrengt manchmal die Sinne: laute Musik und Geräusche, dann wieder bedrückende Stille, dazu ein beeindruckendes Bühnenbild und sehr bunte Lichteffekte. Dabei wird man von Rufus Wainwrights Musik abwechselnd eingelullt oder mit schrägen Akkorden aufgeschreckt. Die Schauspieler des Berliner Ensembles brillieren mit enormer Bühnenpräsenz in einer Welt, in der die Grenzen zwischen den Geschlechtern verschwimmen. Die großartige Inge Keller spielt Shakespeare, Jürgen Holtz überzeugt als Elisabeth I und II. Dazwischen fällt Georgette Dee als plaudernder Conferencier aus dem Rahmen. Ein Abend, der irritiert und gerade deswegen zu begeistern vermag.

Weitere Vorstellungen: 28. und 29. April, Berliner Ensemble

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