Siegessäule - Spannende Warterei bei „Last Desire“

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Bühne

Spannende Warterei bei „Last Desire“


Lucia Ronchettis „Salomé“-Paraphrase „Last Desire“ in der Werkstatt der Staatsoper im Schillertheater

© Thomas Bartilla

siegessaeule.de 14.10.2011 – Warten ist ja meistens mit Langeweile verbunden. Aber diese Warterei ist alles anderes als öde. Hier ist sie vergleichbar mit einem Hochspannungstransformator, der zu explodieren droht. Die Komponistin Lucia Ronchetti und die Librettistin Tina Hartmann haben sich vor einigen Jahren das Stück „Salomé“ von Oscar Wilde vorgenommen, es dramaturgisch zentrifugiert und daraus die Oper „Last Desire“ gemacht. Darin treten vier Männer auf, die alle in obsessivem Sehnen und heftiger Projektion auf die schöne Prinzessin Salome warten. Die knapp einstündige Komposition hetzt wirkungsvoll einen Bariton, einen Countertenor, einen Knabensopran und eine Bratsche aufeinander. Dazu kommt noch Liveelektronik.

Anspruchsvolle Partien, bravourös und mit Leichtigkeit gemeistert

Die Partien sind unglaublich anspruchsvoll, was die Darsteller in der Neuinszenierung bravourös und offenbar mit Leichtigkeit meistern. Das verschafft ihnen die Souveränität, der Lesart von Regisseur Elmar Supp überzeugend zu folgen. Er setzt die vier Figuren der Oper in Wartehäuschen eines Busbahnhofs: Der alte Mann geilt sich an einer Diashow auf, der junge Mann ist auf ein Bild der Frau fixiert, der Knabe spielt mit Schaufensterpuppenköpfen, der Bratschist gibt sich dem Spiel auf dem Instrument hin. Die Identitäten der Personen wechseln, der Bratschist schlüpft in ein Paillettenkleid, der Countertenor macht sich mit zwei Handgriffen zur Herodias.

Man möchte ihnen sagen, Jungs, hört auf zu fantasieren, lebt eure Wünsche aus, geht endlich ins Leben, sucht Euch wen! Kein Wunder, dass die Warterei auf Dauer nicht gut gehen kann und die Katastrophe unausweichlich kommt. Gegenüber der Vorlage zieht Elmar Supp am Ende die dramatische Daumenschraube noch etwas weiter an, indem er einen weitaus böseren Schluss präsentiert. Ein gelungener Abend! Man sollte allerdings früh genug kommen, um vorher noch Zeit zu haben, das im Programmheft abgedruckte Libretto lesen zu können.
Eckhard Weber

Werkstatt der Staatsoper im Schiller Theater: Nächste Aufführungen: 15., 22. und 23.10.

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Mehr zur Location: Staatsoper im Schiller Theater

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