Siegessäule - Täter und Opfer: lebenslang verbunden

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Bühne

Täter und Opfer: lebenslang verbunden


Ein Theaterstück über Missbrauch unter orthodoxen Juden, wieder 13.5.

© Grey59/pixelio.de

SIS 2.1.2011/update 11.5. – Bevor sich der Vorhang hebt, lässt sich Intendant Dan Lahav nicht abhalten, von der Vergangenheit der Räumlichkeiten zu erzählen. Die schlechte Nachricht: Im ehemaligen Ballsaal feierte die brutale Sturmabteilung der Nationalsozialisten ausgelassene Feste. Und die gute? „Die SA hat alles heil gelassen, sodass wir hier und heute schön jüdisches Theater spielen können“, kommentiert Lahav die Ironie der Geschichte.

Der Prinzipal betont die Aktualität der folgenden Aufführung. Der Missbrauch von Kindern komme nicht nur bei Katholiken und Protestanten vor, sondern auch unter orthodoxen Juden. Lahav hat das Stück nach einem derzeit in Israel laufenden Anklageverfahren geschrieben und auch selbst inszeniert.

Der Täter verweigert sich der Wahrheit

Kaltes Licht von Neonröhren fällt auf Regale, vollgestopft mit Teddybären. Geschäftsmann Jochanan (Joachim Kelsch) verkauft Stofftiere. Kurz vor Ladenschluss steht David (Markus Riexinger), ein junger Mann, in der Tür. Bald ist klar, dass Jochanan, damals noch Rebbe einer Thoraschule, David als Kind sexuell missbrauchte. Während David zwischen Vorwurf und Resignation taumelt, zieht sich der Täter hinter das Bollwerk seiner Verdrängung zurück. Die Verteidigung reicht vom Abstreiten über die Diffamierung des Opfers oder dem Versuch, mit Geld die Sache aus der Welt zu schaffen, bis zur Aussage, dass er David damals geliebt hätte. Der homosexuelle David glaubt, erst durch den Missbrauch schwul geworden zu sein. Er fordert: „Du sollst dich nicht schuldig fühlen, du sollst Verantwortung übernehmen.“ Aber genau das verweigert der Täter.

Plötzlich erlöschen die Neonröhren. In der Dunkelheit erleben die beiden den erschütternden Missbrauch erneut. Dann entlässt der Autor Lahav das Publikum mit der wenig tröstlichen Tatsache, dass Täter und Opfer ewig miteinander verbunden sind. Dennoch bringt „Teddybären weinen nicht“ einmal mehr die Mauer des Schweigens und des Schämens rund um Kindesmissbrauch zum Einstürzen.     

Peter Fuchs

„Teddybären weinen nicht“, wieder am 13.5., 26.5. 20 Uhr, BIMAH – Jüdisches Theater Berlin, www.juedischestheaterberlin.de

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