Siegessäule - „The Rake’s Progress“: Mit Warhol und Co gegen die Wand

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Bühne

„The Rake’s Progress“: Mit Warhol und Co gegen die Wand


Igor Strawinskys Oper in einer ziemlich öden Inszenierung an der Staatsoper im Schillertheater

© Ruth Walz

SIS 17.12.2010 – Eines muss man der Neuinszenierung von Strawinskys „The Rake’s Progress“ an der Staatsoper im Schillertheater lassen, es gibt eine Menge zu sehen. Die Geschichte um einen planlosen jungen Mann, der den Verlockungen des Teufels folgt, haben Regisseur Krzysztof Warlikowski und seine Ausstatterin Malgorzata Szcesniak in die USA der Endsechziger verlegt.

Der junge unbedarfte Tom Rakewell fällt auf einen Jack Shadow herein, der als Andy Warhol-Wiedergänger daherkommt. Dementsprechend bevölkern bald eine Menge Drag-Queens, Transen, Lesben und stramme Jungs als Personal von Warhols Factory die Bühne. Bei der theaterwirksamen Versteigerung des Plunders von Baba the Turk, der Frau mit Rauschebart, die Tom heiratet, wird es dann noch bunter: Spiderman, ein Village-People-Indianerhäuptling, Bugs Bunny, Minnie Mouse und Darth Vader treten an. Alles wird live mitgefilmt und auf Großleinwand gebeamt, was ja seit einigen Jahren Mode bei der Opernregie geworden ist.

Mit oder ohne „Anführungszeichen“?

Dennoch weiß Regisseur Warlikowski in seiner Produktion keine spannenden Funken aus der Personenkonstellation zu schlagen. Der ganze bunte Theaterzauber erschöpft sich in Oberflächenreizen. Ziemlich ermüdend auf Dauer. Und überhaupt, was will uns Warlikowski eigentlich erzählen? Tom geht also zu Andy Warhol und seinem schwulen Transenpack und wird daran irre? Warhol somit der Teufel und die queere Szene die Verderbnis, die zum Untergang Toms führt? Hätte er also lieber in der heteronormativen Biederkeit seiner Verlobten Anne Truelove bleiben sollen, die nach einem kurzen punkigen Intermezzo dorthin wieder zurückkehrt? Oder will Warlikowski uns irgendwie ironisch gebrochen die Sicht des Bibel Belts im Mittleren Westen der USA nahebringen? Quasi alles in Anführungszeichen? Das vermittelt sich allerdings beim besten Willen nicht.

Hinzu kommt, dass die musikalische Seite der Produktion genauso öde ist. Das überrascht, denn Dirigent Ingo Metzmeier ist eigentlich ein Spezialist für Modernes. Doch Strawinskys energiegeladene Musik, die kühn Einflüsse aus 350 Jahren Operngeschichte mit der Motorik und Harmonik des Jazz in raffinierter Stilisierung vermischt, wird hier im Tempo verschleppt und in den Konturen verschmiert. Das Ganze ist also ziemlich an die Wand gefahren worden. Schade, Chance vertan – bei einer der besten Opern, die im 20. Jahrhundert geschrieben wurde.

Eckhard Weber

„The Rake’s Progress“, nächste Aufführungen: 18., 20., 23., 25., 29.12., Staatsoper im Schillertheater

Mehr zur Location: Staatsoper im Schiller Theater

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