Siegessäule - Theater gegen Klischees: Verrücktes Blut (2.3) und Clash (ab 8.3)

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Bühne

Theater gegen Klischees: Verrücktes Blut (2.3) und Clash (ab 8.3)


Zwei Stücke von Regisseur Nurkan Erpulat: „Verrücktes Blut" im Ballhaus Naunynstraße und „Clash” im Deutschen Theater Kammerspiele

© Arno Declair Szene aus Clash am Deutschen Theater

SIS 2.3.2011 – Eine Einladung zum Berliner Theatertreffen, dazu eine Nominierung für den Friedrich-Luft-Preis: „Verrücktes Blut“ ist der Hit der Saison – und sein schwuler Regisseur, Nurkan Erpulat, die Vorzeigefigur des „postmigrantischen Theaters“, so, wie es im Ballhaus Naunynstraße zelebriert wird. Hier spielt „Verrücktes Blut“ ständig vor ausverkauftem Haus: Eine entnervte Lehrerin dreht den Spieß um und zwingt mit gezückter Waffe ihre postmigrantischen Schüler zur Rezitation von Schillers „Räubern“. Erpulat haut dem Publikum dabei die Klischees wild um die Ohren, sie werden zitiert und im selben Moment ad absurdum geführt – ähnlich wie in „Clash“, Erpulats neuem Projekt am Jungen DT. „Im Theater arbeitet man immer mit Zeichen“, erläutert Erpulat seine Haltung zu Klischees. „Es kommt nur darauf an, wie man diese Klischees dann verwandelt und möglicherweise zwei-, dreimal umdreht.“ Auch jenseits der Theaterbühne bewegt Erpulat der Umgang mit Vorurteilen: „Ich finde es traurig, dass viele Schwule, die ja selber eine Minderheit darstellen, nicht erkennen, dass andere Minderheiten – etwa Migranten – dieselben Probleme haben wie sie, unter ähnlichen Klischees und Strukturen leiden. Das gilt umgekehrt leider allerdings genauso.“

Selbstbezeichnung: klassischer Ausländer

Er selbst bezeichnet sich als klassischen „Ausländer“, er ist mit 24 Jahren, nach abgeschlossenem Schauspielstudium, aus der Türkei nach Deutschland gezogen und studierte Regie an der Ernst Busch Hochschule. „In Berlin fühle ich mich zu Hause. Hier bin ich nun schon seit elf Jahren – länger als an irgendeinem Ort der Türkei.“ Anders als in der meist bierernsten öffentlichen Debatte werden in Erpulats Stücken die Probleme der Migration auch gerne mal selbstkritisch durch den Kakao gezogen. „Ein gewisser Humor ist auch eine Überlebensstrategie, gerade wenn man einer Minderheit angehört“, so Erpulat. Seine Inszenierungen beweisen, dass das Theater Themen – auch die Causa Sarrazin – auf ganz andere Weise behandeln kann als Leitartikel oder Diskussionsrunden. Mit Ideen spielen, sie präsentieren, verfremden und gleichzeitig demontieren: Erpulat schöpft die Möglichkeiten der spezifischen „Theatersprache“ voll aus. Kinofilme schaut er sich nur selten an – auch „um die Filmsprache nicht zu verinnerlichen.“ Früher ist er auch gerne schwul ausgegangen – wobei er seinen „Exoten-Bonus“ voll ausgekostet hat. Auch diese „positiven“ Vorurteile hat er schon auf der Bühne verhandelt, in seinem Stück „Jenseits – Bist du schwul oder bist du Türke?“.
Torsten Träger

„Verrücktes Blut“, Ballhaus Naunynstraße, letzte Vorstellung 2.3.2011, 20 Uhr

„Clash“, Deutsches Theater Kammerspiele, 08., 24., 27. März, 19.30 Uhr, jeweils Restkarten an der Abendkasse


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