Siegessäule - Tipp: Das Kleine Theater, Marlene Dietrich oder Oscar Wilde

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Bühne

Tipp: Das Kleine Theater, Marlene Dietrich oder Oscar Wilde


Das Theater gehört zu Berlins Traditions-Häusern. Mit wenig Geld entstehen tolle Stücke, auch mit schwul-lesbischer Relevanz

© Collage Kleines Theater

SIS im Mai 2009 – Der Autor dieses Beitrags war nie zuvor im Kleinen Theater – das ist eindeutig ein Fehler. Ach was, ein kultureller Sündenfall! 93 Plätze nur hat die Spielstätte, was ihren Namen erklärt. Es ist ein heimeliger Ort. Spießig aber ist er nicht! In Zeiten knapper Kassen zeigt sich die Intendanz ideenreich. Im Vorraum hängt eine Art stiller Portier, der verrät, wer für 1.000 Euro einen Stuhl im Theater „gekauft“ hat. Symbolisch ist das gemeint, und man findet bekannte Unternehmen und Prominente wie Exkultursenatorin Hanna-Renate Laurien.

Es gibt verschiedene Stücke: Oscar Wildes „Bunbury“ wird musikalisch interpretiert, und mit „Der graue Engel“ von Moritz Rinke gibt es ein Renkontre mit Marlene Dietrich. Wer die Aufführung von „Vom Wedding nach Las Vegas – Die Manuela-Story“ besucht, kommt nicht nur in den Genuss eines schrillen Pop-Märchens, sondern erlebt die Lebendigkeit im Kleinen Theater. Rasche Szenenwechsel, viel Musik und ein Feuerwerk an Handlungen, die mal nachdenklich und mal traurig, zumeist aber höchst vergnüglich sind. Das Publikum wiederum lässt sich allzu gerne einladen zum „Jekami“-Abend: Jeder kann mitmachen bei dieser zweistündigen, gleichwohl kurzweiligen Retroparty! Und so wiegen sich die Gäste im Takt der Musik, dass der Laden brummt, und der Autor registriert neben sich eine wohl 70-jährige Dame, die die Manuela-Songs von „Schuld war nur der Bossa Nova!“ bis hin zu „Lord Leicester“ herzhaft mitsingt, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang peinlich berührt zu sein.

Wenn die ausgezeichnete Camilla Kallfaß als Manuela das „Ännchen von Tharau“ singt, erhält das Stück gar Züge von Comedy allerfeinster Qualität. Und am Ende, wenn sich eine Discokugel zu drehen beginnt und „Küsse unterm Regenbogen“ intoniert wird, möchte man die Sitznachbarin in den Arm nehmen und gemeinsam mit ihr ins Nachtleben schunkeln.

Fazit: Hingehen. Unbedingt!

Holger Doetsch

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