Siegessäule - Tipp: Lorcas Doña Rosita mit vielen ledigen Damen

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Tipp: Lorcas Doña Rosita mit vielen ledigen Damen


© Matthias Horn

SIS 9.6.09 – Federico Garcia Lorca brachte sein erstes Theaterstück bereits während seines Studiums auf die Bühne; als Linker und bekennender Schwuler avancierte der Spanier später sogar zum Volksdichter und begeisterte das Theaterpublikum bald auch in Lateinamerika. Doch mit seinen gesellschaftskritischen Arbeiten machte er sich bei den Rechten unbeliebt, er habe mit seiner Feder mehr Schaden angerichtet als andere mit einer Pistole, lautete das vernichtende Urteil seiner politischen Gegner. Dies und seine offen gelebte Homosexualität waren wohl ausschlaggebend für seine Ermordung.
Garcia Lorcas poetisches Stück „Doña Rosita oder die Sprache der Blumen" ist ein „Gedicht in mehreren Gärten“ und wurde im Dezember 1935 in Barcelona uraufgeführt. Acht Monate später wurde Lorca von den spanischen Faschisten erschossen.
Wie so oft in seinem Werk zeigt Lorca auch in „Doña Rosita“ eine Frauenwelt, in der sich Frauen bewegen, die ihre erotischen Gefühle unterdrücken oder nicht ausleben können. Im Mittelpunkt der blumenreichen Handlung steht die junge Rosita (großartig gespielt von Ursina Lardi) aus Granada, die ihren Verlobten innig liebt. Fast wie im Märchen muss der Angebetete aber plötzlich weg. Rosita wartet und wartet auf seine Rückkehr, 25 Jahre lang. Selbst als sie schon weiß, dass der Liebste in der Ferne eine andere geheiratet hat, wartet sie noch weiter. Schließlich blüht und verwelkt Doña Rosita wie die „Rosa mutabilis“ im Garten ihres Onkels, die veränderbare Rose, die morgens rot ist, mittags leuchtet, nachmittags weiß wird und in der Dämmerung abstirbt. "Spanien", sagte Lorca, "ist das Land der ledig gebliebenen, ehrbaren Mädchen, Opfer des sozialen Milieus, das sie umgibt."
Das musikalisch schön untermalte Stück ist eine als Komödie verkleidete Tragödie, die oft in die Nähe von Tschechow gerückt wird.
Lorca ist berühmt für seine starken Frauenfiguren; hier bietet er neben der schmachtenden Schönheit zwar keinen glaubwürdigen Konflikt, aber dafür zahlreiche andere Frauentypen. Da gibt es die traurig ins Taschentuch schnüffelnde Tante, die bodenständige Haushälterin mit dem losen Plappermaul, den boshaft überheblichen Backfisch und einen Chor lediger Damen, so genannte vertrocknete Jungfern. Regisseur Thomas Langhoff zeigt junge Frauen, die von Männern träumen und mit anderen Frauen erotisch konkurrieren, aber mit den real existierenden Objekten ihrer Begierde wenig anfangen können oder wollen. Das ist die heiße Sonne und der besondere Zauber Andalusiens.
 
Andrea Winter

„Doña Rosita oder die Sprache der Blumen", Berliner Ensemble 11. und 14.6., 20 Uhr


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