Siegessäule - Tipp: Provokant und eindrucksvoll: „Madame Butterfly“ 7.6.

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Tipp: Provokant und eindrucksvoll: „Madame Butterfly“ 7.6.


Zum letzten Mal in dieser Spielzeit zeigt die Komische Oper die Inszenierung von Calixto Bieito

© Monika Ritterhaus

Mit seinen blutigen Sex-and-Crime-Inszenierungen gilt Calixto Bieito als Skandalnudel der Oper. Seine „Entführung aus dem Serail“ wurde an der Komischen Oper 2004 zum Kassenschlager; deftig zur Sache geht es auch in „Madame Butterfly“, seit 2005 im Repertoire des Hauses. Und sein neuestes Werk, Glucks Oper „Armida“, zeigt drei Akte lang viele, viele nackte Männer und nach der Pause ein Stillleben mit schwuler Sexszene zur barocken Flötenmusik. Bieito provoziert gern, weil er glaubt, die Oper brauche Skandale und eine derbe Sprache, weil sie ja schließlich die Gesellschaft repräsentieren soll. 

Deshalb hat sich der Katalane vor allem durch seine gewagten Umdeutungen alter Opernstoffe einen Namen gemacht, zum Beispiel mit Puccinis Meisterwerk „Madame Butterfly“.

Die Oper wurde vor über 100 Jahren in Mailand uraufgeführt und wird aufgrund ihrer japanischen Exotik und Erotik gerne als sentimentale folkloristische Tragödie gezeigt. In Bieitos Inszenierung ist das – natürlich – anders. Seine  Geschichte der jungen Edelkurtisane Cho-Cho-San, die den amerikanischen Marineoffizier Pinkerton heiratet, zeigt den „Schmetterling“ nicht als armes kleines Geschöpf, das dem Einbruch des imperialistischen Sextourismus zum Opfer fällt. Im Zentrum seiner Story im quietschbunten Sexparadies stellt Bieito den wirtschaftlichen Konflikt zwischen Butterfly und Pinkerton und stützt sich bei seiner Interpretation auf Michel Houellebecqs Roman „Plattform“, der die „Ausbeutung von Frauen, Männern und Kindern für die sexuelle Befriedigung von Angehörigen wirtschaftlich starker Kulturkreise“ anprangert. Vor allem die Umdeutung des Schlusses ist aus feministischer Sicht etwas Neues, denn die relativ geldgeile Prostituierte bringt sich hier nicht selbst um, sondern tötet stattdessen ihr Kind und ihre Freundin.
Bieito entlarvt aber nicht nur den modernen Sextourismus in der Dritten Welt, sondern auch die imperialistische Cowboy-Mentalität der Amis, die ja gerade in anderen Kulturkreisen laut und respektlos zur Schau gestellt wird – und das auch unter der Gürtellinie.

Das Bühnenbild von Alfons Flores  ist großes Kino und voll mit zahlreichen Anspielungen, etwa auf „Apocalypse Now“ und den Vietnamkrieg. Und die Besetzung, der gesamte Chor, vor allem aber Soojin Moon als Cho-Cho-San, Karolina Gumos (Suzuki) und Timothy Richards als F. B. Pinkerton zeigen, dass sie auch herausragende Schauspieler sind. Ein ein- und ausdrucksvoller Opernabend.

Andrea Winter

Karten kaufen, "Madame Butterfly", 7.6., 19 Uhr, Komische Oper


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