Siegessäule - „To dance or ..." – Erotisches aus dem Osmanischen Reich

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„To dance or ..." – Erotisches aus dem Osmanischen Reich


Bauchtanz war im Orient Männersache. Die Choreografin Ayrin Ersöz bringt das Spiel mit den Geschlechterrollen auf die Bühne, ab 1.6.

siegessaeule.de 31.5.2011 – Trotz aller Repression boten viele Kulturen von jeher interessante Schlupflöcher für sexuelle und geschlechtliche Ambiguität. Im alten Osmanischen Reich war eines dieser Schlupflöcher der orientalische Tanz, umgangssprachlich auch Bauchtanz genannt. Er zeigt in der Körpersprache runde, weiche, „weibliche“ Formen und Bewegungen – die Ausführung dieser Kulturpraxis war damals aber schizophrenerweise gerade Frauen verboten. So war der orientalische Tanz auf dem Gebiet der heutigen Türkei jahrhundertelang jungen Männern vorbehalten.

Leicht auszumalen, dass so diese Kulturtechnik ein Refugium für alle möglichen Spielarten jenseits der Heteronormativität wurde – vor allen natürlich für saftige Homoerotik: „Jungenhafte, androgyne Tänzer tanzten für ein ausschließlich männliches Publikum“, erklärt die türkische Choreografin Ayrin Ersöz. „Und dieses zu verführen war ein wichtiger Teil der Vorstellung.“ In ihrer Tanzperformance „To dance or ...“ im Ballhaus Naunynstraße spürt Ersöz dem schillernden Spiel der Geschlechterrollen im orientalischen Tanz nach.

Eine wahre Geschichte aus dem Istanbul von 1631

Dazu verwendet sie Motive aus dem Roman „Bauchtänzer Ibo“ des schwulen Istanbul-Chronisten Resat Ekrem Koçu. Sie selbst tritt dabei in der für die osmanische Kultur klassischen Rolle der Erzählerin auf, die von der auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte berichtet: Istanbul im Jahre 1631. Bei einer Aufführung in den Straßen der Metropole begegnet dem Meister des Tanzes, Baba Nazli, ein außergewöhnliches Talent: der aus armen Verhältnissen stammende Romajunge Ibo (getanzt von Bengi Sevim). Doch auch im Falle von Can Ibo ist nicht alles so, wie es scheint – was für Überraschungen und Verwicklungen sorgt.

Ayrin Ersöz beleuchtet mit ihrer Choreografie vorgeschriebene Geschlechterstereotypen, den Zwang, den Körper in bestimmter Weise zu zeigen und zu bewegen, um einem bestimmten Bild zu entsprechen. Interessanterweise glaubt Ayrin Ersöz, dass die in der osmanischen Kultur verbreitete und als normal empfundene Homoerotik erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Problem wurde. „Erst der Austausch mit der modernen westlichen Welt führte dazu, dass die Machteliten sich von ihrer stark homoerotisch geprägten Tradition abwandten.“
Torsten Träger

To dance or ...“, Ballhaus Naunynstraße, 1.6., 20.30 Uhr, 2.–4.6., 20 Uhr

Mehr zur Location: Ballhaus Naunynstraße


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