Siegessäule - Trans im August: Vanessa van Durme in „Gardenia”

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Bühne

Trans im August: Vanessa van Durme in „Gardenia”


Mit „Gardenia“ eröffnet Tanz im August seinen Diskurs über die Ethik des menschlichen Zusammenlebens

© Luk Monsaert

SIS 17.8.2010 – Im Tanztheater steht Transsexualität zurzeit hoch im Kurs. Die radikal selbstbestimmte Körperlichkeit ist nicht nur selbst ein abendfüllendes Thema, sondern eignet sich auch ideal, um moderne Diskurse über die Definition von und über Körper zu visualisieren. Der belgische Choreograf Alain Platel treibt den Trend nun auf die Spitze: Sieben der neun Mitwirkenden von „Gardenia“ sind Transsexuelle und Transvestiten. Keine jungen Dinger, sondern gestandene Weibsbilder im Alter von 56 bis 67 Jahren, allen voran die transsexuelle Schauspielerin Vanessa Van Durme, die schon im Januar das Berliner Publikum im HAU mit „Look Mummy, I'm Dancing“ gleichzeitig tief berührte und erheiterte. Auch ihre sechs Kolleginnen in „Gardenia“ berichten von steinigen Wegen und enttäuschten Hoffnungen. Die bittersüßen Lebensrückblicke werden mit Playback-Musicaleinlagen unterlegt. Zusammen mit Frank Van Laecke hat Platel so ein Format geschaffen, das die üblichen Kategorien des Tanztheaters sprengt.

„Gardenia“ ist das Flaggschiff des diesjährigen Schwerpunktthemas „Menschenrechte“. Eine etwas hochtrabende, aber letztlich doch nahe liegende Thematik für den Tanz, haben doch die Verletzungen der Menschenrechte oft körperliche Auswirkungen. Seien es drastische Fälle wie Folter oder Inhaftierung oder die Verhüllung des Körpers durch etwa das Tragen einer Burka. Letzteres erkunden Héla Fattoumi und Éric Lamoureux in „Manta“: Wie leiden Frauenkörper unter der Einschränkung der Bewegungsfreiheit? Welche psychischen Folgen hat das und wie wird die Persönlichkeit dadurch geformt? Lemi Ponifasio dagegen  beschäftigt sich in „Tempest: Without a Body“ mit Menschenrechtsverletzungen in Neuseeland und Samoa. Gerade diese Produktion zeigt, dass auch die Ästhetik nicht zu kurz kommen muss, wenn sich der Tanz nun verstärkt politischen und sozialen Fragen zuwendet.

Überhaupt muss man sich wohl keine Sorgen machen, dass der Tanz sich nicht auch weiterhin zu einem guten Teil um sich selbst dreht. Der Tod zweier Ikonen der Tanzgeschichte, Pina Bausch und Merce Cunningham, rückt auch bei Tanz im August die Frage in den Mittelpunkt, wie das Medium mit seiner eigenen Geschichte umgeht.

Im zweiten Schwerpunkt Tanzgeschichte nähern sich sowohl Boris Charmatz als auch Jérôme Bel dem legendären Merce Cunningham und kreieren eigenständige Hommagen, die Cunninghams Arbeitsweisen und Bewegungssprache für die Nachwelt lebendig halten.

Torsten Träger

„Gardenia“, 19.–22.8., 19.30 Uhr, HAU 1
Tanz im August, 19.8.–3.9, www.tanzimaugust.de

Mehr zur Location: HAU1

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Kommentare


Bis heute wird es transsexuellen Frauen abgesprochen echte Frauen zu sein.
Bis heute wird es transsexuellen Männern abgesprochen echte Männer zu sein.
Seit einigen Jahren schon wird behauptet, Geschlecht sei ein soziales Konstrukt.
Trotzdem wird immer wieder behauptet, transsexuelle Frauen wären "als Männer geboren".
Trotzdem wird immer wieder behauptet, transsexuelle Männer wären "als Frauen geboren"
Warum?
Liegt es an den Genitalien?
Liegt es an der Heuchelei das eine zu behaupten, aber gleichzeitig das andere zu denken?

Im Sinne der Menschenrechte:
Transsexuelle Frauen sind NICHT als Männer geboren.
Auch wenn es Menschen nicht wahr haben wollen und sogar Theaterstücke darüber machen.
Auch wenn transsexuelle Menschen sich zum Freak erklären müssen um Applaus zu ernten.
Um Applaus zu ernten, von denen, die NICHT bereit sind, anzuerkennen, dass Geschlecht
in der Natur vielfältig ist. Und eben nicht stereotyp.

Und genau deswegen transsexuelle Frauen Frauen sind.
Und transsexuelle Männer Männer.

Transphobie ist deswegen so gemein, weil sie "von Hinten" kommt. Sie ist versteckt.
Sie liegt irgendwo tief drinnen. Und kaum einer ist bereit, sich Transphobie einzugestehen.
Das macht die Sache so gemein.
Und transsexuelle Menschen sind wahrscheinlich die transphobsten Menschen, die es gibt.
Weil die meisten sich selbst hassen.

Ein Trauerspiel für die Bühnen der Welt!
Und jetzt: Klatschen.
Wer wollte daran etwas ändern?

von: Jaja, 20.08.2010 23:15 Uhr

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