Siegessäule - „Unter der Treppe“: beklemmende 60er

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Bühne

„Unter der Treppe“: beklemmende 60er


Das bedrückende Stück von Charles Dyer erfährt im Schlossparktheater keine wirklich gelungene Wiederbelebung, bis 10.11.

© Der Dehmel

SIS 5.11.2010 –  Zwei Männer im Frisiersalon. Dialoge wie bei „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Sie sind ein Paar seit 20 Jahren. Charlie ist eigentlich Schauspieler – mittlerweile mit verkrachter Karriere –, Harry ist Frisör – schon immer. Hoffnungslosigkeit von beinah Beckett’schen Ausmaßen. Im minimalistischen Bühnenbild, eingerahmt von müdem Rosa (!) geben Oliver Stern (Harry) und Lutz Blochberger (Charlie) das seltsame Paar, gefangen in einem Netz aus Bedrohung und Gemeinheit. „Du siehst aus wie ein schwangeres Huhn“, sagt Charlie zu Harry, oder: „Halt die Klappe, es zieht!“. Der arme Harry hat dem kaum mehr entgegenzusetzen als „Ordinärer Sack!“ Hin und wieder blitzt dennoch der schwulenspezifische (Galgen-)Humor durch. Leider etwas zu selten.

Die Bezeichnung „Tuntendrama“ wird dem Stück von Charles Dyer dennoch nicht gerecht, denn es geht um das Scheitern im Leben und in der eheähnlichen Beziehung. Hier lauert zusätzlich oberhalb der Treppe zum Salon physisch nahe Harrys Mutter. Bedrohlich ist das Leben, auch die Aussicht, dass der eine ohne den anderen auskommen muss, ebenso wie jene Erkenntnis, nicht ohne einander zu können. Aber im England der 60er Jahre war man wohl als schwules Paar so sehr aufeinander angewiesen – schon, um dem gesellschaftlichen Druck standzuhalten. Ständige Angst vor übler Nachrede, permanent im Clinch mit Männlichkeitsidealen, denen man nie und nimmer entsprechen kann. Es ist viel, was der Autor in sein Stück gepackt hat.

Warum spielt man dieses Stück heute noch und was hat es uns zu sagen? Vor allem, wem? Die Texte wirken wie aus der Zeit gefallen, die Darsteller mühen sich redlich in ihrer Darstellung der kleinen Hölle. Als Charlie plötzlich nett zu seinem Partner ist, ruft der aus: „Ich ertrag’s nicht, wenn du so bist! Sei wieder gemein!“ Ob man will oder nicht, das berührt einen dann doch, auch wenn die Inszenierung nicht zu hot pink aufläuft, sondern eher so blass bleibt wie der erwähnte Bühnenrahmen.

fh

Unter der Treppe, Schlosspark Theater, wieder 7.-10.11.2010

Mehr zur Location: Schlossparktheater

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