Siegessäule - Wagner reloaded in Neukölln – aber nicht ganz überzeugend

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Wagner reloaded in Neukölln – aber nicht ganz überzeugend


Mit ihrer Neuproduktion „Rheingold Feuerland“ bringt die Neuköllner Oper brisante globale Themen auf die Bühne

siegessaeule.de 23.8.2011 – Gesellschaftskritik und politisches Denken hat sich die Neuköllner Oper seit jeher auf ihre Fahnen geschrieben. Jetzt nimmt sich das Haus Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ vor. Simon Stockhausen, der Sohn des legendären Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen, hat eine moderne Musiktheater-Version auf den Vorabend der „Ring“-Tetralogie, „Das Rheingold“, geschrieben.

Reichtum, Macht und Gier im 21. Jahrhundert

Die zentralen Themen des Stücks, Reichtum, Macht und Gier, werden in Simon Stockhausens Neukomposition mit dem Titel „Rheingold Feuerland“ aus der Sicht des globalisierten 21. Jahrhunderts betrachtet. Es geht um brennende Müllhalden bei Neapel, um von Umweltgiften verseuchte Arbeiter und Arbeiterinnen, Kämpfe um Wasserreserven in Lateinamerika, neue gefährliche Energiequellen, um Aktienmärkte im Turbogang, einen so zynisch wie spendenfreudigen New Yorker Finanztycoon und um einen Feuergott am Ganges. Die Musik von Simon Stockhausen bettet wirkungsvoll Wagner-Zitate in Electrosounds mit Live-Jazz-Elementen. Das ist gut anzuhören und als Theatermusik durchaus suggestiv. Die Gesangslinien sind dagegen weniger konturiert.

Stellenweise eher bleierne Handlung

Die überaus brisanten, globalen Themen verdichten sich im Libretto von Bernhard Glocksin leider nicht zu einer dramatischen Geschichte mit überzeugenden Entwicklungen der Personen. Die Charaktere, die Urmutter Erda, ein amerikanischer Milliardär, eine bolivianische Journalistin, ein rumänischer Arbeiter und ein indisches Finanzgenie, verhandeln ihre Geschichten eher faktenreich wie im Politikteil einer Tageszeitung. Das macht die Handlung stellenweise ziemlich bleiern. Dagegen kann auch die Inszenierung von Lilli-Hannah-Hoepner in der Ausstattung von Markus Meyer, die das indische Finanzgenie zur transsexuellen Hijra mutieren lässt, nicht viel ausrichten.
Eckhard Weber

Vorstellungen:
25.-28. August sowie 1.-3., 8.-10., 15.-18. und 22.-25. September, um 20 Uhr, 4. und 11. September um 16.30 Uhr

Karten: 9,- bis 24,-; Vorbestellung unter 030 / 68 89 07 77, tickets@neukoellneroper.de

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