Bühne
Welt der Nixen, gesehen von Barrie Kosky
Kosky inszeniert Antonín Dvoráks Oper „Rusalka“ an der Komischen Oper – gelingt ihm eine Neuinterpretation? Wieder am 13.5.
SIS 19.2.2011/update 13.5. – siegessäule präsentiert:
Barrie Kosky, der 2012 als neuer Intendant das Ruder an der Komischen Oper übernehmen wird, hat in den letzten Jahren am Haus schon mit unterschiedlichen Genres und Stilen experimentiert: In György Ligetis grellem Endzeit-Avantgarde-Spektakel „Le Grand Macabre“ präsentierte er Fetisch-Drag-Nummern. Christoph Willibald Glucks Antikenoper „Iphigenie auf Tauris“ übersetzte er in Bilder zwischen Hieronymus Bosch und Abu Ghraib. Cole Porters „Kiss me, Kate“ setzte er mit Las-Vegas-Flair, Glitter und Glamour in Szene. Und die höfische Welt von Giuseppe Verdis „Rigoletto“ deutete er als grotesk-beklemmende Tyrannei. Jetzt nimmt sich Barrie Kosky etwas ganz anderes vor, nämlich die fantastische Welt der Nixen aus Antonín Dvoráks Oper „Rusalka“.
Kosky inszeniert das vermeintliche Märchen als tiefgründiges Drama
Bekannt daraus ist vor allem Rusalkas „Lied an den Mond“, das im Refrain immer so ein bisschen an „Somewhere Over the Rainbow“ erinnert. Dvorák komponierte vor allem suggestiv strömende Klangfluten, die alles andere als märchenhaft oder gar putzig, sondern abgründig und dramatisch sind. Das entspricht der Ausrichtung, denn „Rusalka“, im Jahr 1900 an der Schwelle zur Moderne entstanden, ist ein symbolistisches Drama im Gewand einer lyrischen Märchenoper. Darin geht es um die scheiternde Liebe zwischen einem Prinzen und einer Nixe. Das Wasserwesen Rusalka möchte ein Mensch werden, nur so kann sie mit dem geliebten Prinzen zusammen sein. Die Bedingung dafür ist, dass sie ihre Stimme verliert. Als sie in der Menschenwelt lebt, erkennt Rusalka, dass die Menschen sie ablehnen und sie Außenseiterin bleibt. Schließlich verlässt sie auch noch der Prinz wegen einer Menschenfrau. Als er am Ende zu Rusalka zurückkehrt, bleibt beiden nur noch ein todbringender Kuss.
Als Dvorák „Rusalka“ schrieb, veröffentlichte Sigmund Freud gerade seine „Traumdeutung“. Von diesem Blickwinkel aus nähert sich Kosky der Oper; „Rusalka“ steht für ihn Tschechow, Strindberg und Beckett näher als einem romantischen Märchen. Er muss es wissen: Vor zwei Jahren hat er für das Deutsche Theater Strindbergs „Ein Traumspiel“ im Berghain inszeniert und in den schrundigen Industrieräumen atmosphärisch dichte Szenen geschaffen.
Eckhard Weber
„Rusalka“, Regie: Barrie Kosky,wieder am 13.5., 14.7.
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