Siegessäule - Zauberberg light am Gorki Theater

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Bühne

Zauberberg light am Gorki Theater


Vor allem die Themen Zeit und Krankheit werden in Bachmanns Inszenierung wie eine Collage aus dem Buch gefiltert

© Bettina Stoess

SIS 3.11.2009 – „Ein einfacher junger Mann mit Namen Hans Castorp reiste im Hochsommer von Hamburg, seiner Vaterstadt, nach Davos-Platz im Graubündischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen.“ Mit diesen berühmten Zeilen beginnt Thomas Manns 1924 veröffentlichter Epochenroman „Der Zauberberg“. Darin besucht Castorp seinen lungenkranken Vetter in einem Schweizer Sanatorium. Die Morbidität des abgelegenen Ortes fasziniert den 24-Jährigen ebenso wie der Lebensstil der elitären Patientenschaft, zu der er gehören will – also entdeckt er die Krankheit für sich und bleibt ganze sieben Jahre. Castorp verfällt zusehends der „ausdehnungslosen Gegenwart“ des Zauberbergs. Eben diese Erfahrung von Zeit und Zeitlosigkeit rückt Regisseur Stefan Bachmann in den Mittelpunkt seiner Inszenierung: Über der Bühne tickt eine digitale Uhr, unten kreist die Drehbühne langsam mit der illustren Patientenschar im Liegestuhl. Leise rieseln Tausende von Schneeflocken, es entsteht eine wohltuende meditative Stille. Am Ende hat Bachmann zwei Stunden aus den 1000 Buchseiten gefiltert.
Ein sichtlich nervöser Marek Harloff spielt den verwöhnten Castorp, dessen flachländischer Übermut mit der apathischen Krankengemeinschaft kollidiert. Aber bald trägt auch er die Krankheit wie einen Heiligenschein und geht im plumpen Philosophieren über den Zusammenhang von Krankheit und Genie auf.
Notgedrungen beschränkt sich Bachmanns Bühnenfassung auf die Themen Zeit und Krankheit, ohne den Hauptgrund für „Hansens“ langen Aufenthalt zu zeigen: Er wartet auf seine Angebetete, deren „Kirgisenaugen“ ihn an einen homoerotisch verehrten Mitschüler erinnern. So ist Bachmanns „Zauberberg light“ eine eher lustlose Collage einzelner Szenen, die beweist, dass man sich leicht im Schneetreiben monumentaler Werke verirren kann.
Michael Thiele

Zauberberg, nächste Vorstellungen 26.11., 2.12.,
Maxim Gorki Theater Berlin


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