Film
Angezogener Pornostar: „Alex und der Löwe“ bei MonGay
Marcel Schlutt lässt in dem überzeugenden Low-Budget-Film von Yuri Gárates die Klamotten an
SIS 7.11.2010 – „Alex und der Löwe“ ist ein Low-Budget-Film made in Berlin und sein Anspruch nicht besonders hoch. Er erzählt eine Boy-meets-boy-Geschichte mit den üblichen Missverständnissen und Zankereien, bevor es zum Happy End kommt. Verständlicherweise lässt die Technik etwas zu wünschen übrig und die Schnitte sind holprig, dafür ist die Vorspannsequenz originell gestaltet und die Ausleuchtung durchweg sauber.
Und dennoch besitzt Yuri Gárates kleiner Streifen mehr Tiefe als die Daily Soaps, an denen er sich orientiert. André Schneider, der auch das Drehbuch schrieb, verkörpert Alex, der seinen Lebensgefährten beim Fremdgehen ertappt und dringend Trost benötigt. Er vereint Gegensätze in sich, die man so bisher kaum gesehen hat: Er ist tuntig und männlich, albern und intelligent. Der Mann, in den er sich verliebt, ist Leo, und der passt überhaupt nicht zu den falschen, oberflächlichen Freunden, mit denen Alex sich umgibt. Als Leo ist Marcel Schlutt gefordert wie noch nie, weil der Pornostar seine Klamotten anbehalten und auf seine üblichen Ausdrucksmittel verzichten muss. Er kann es sich leisten, denn sein Gesicht ist ausdrucksstark genug. Er wirkt nachdenklich, sogar schwermütig. Die Darsteller sind besser als der Film. Mit ihrer Hilfe wird aus einer Sitcom ein ansprechendes Comedy-Drama.
Frank Noack
„Alex und der Löwe“ bei MonGay, 8.11., 22.30 Uhr, Kino International
Mehr zur Location: Kino/Klub International
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"Sein Anspruch nicht besonders hoch" - welch passende Einleitung für einen Film, dessen Trailer eigentlich nur aus mit Musik untermalten Bildchen besteht. Möglicher Weise, damit die holprigen Dialoge nicht am Ende noch abschrecken?! Low Budget heisst m.E., dass der Film mit wenig Geld gedreht wurde. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass auch das Niveau "low" ist. Bei aller Liebe zum Zusammenhalt in bestimmten Szenen oder "Communities": hieße der Film "Alexa und der Löwe", ginge es nicht um schwule, sondern um heterosexuelle Menschen, und wäre der Löwe "nur" ein Filmstudent und eben kein Pornostar, der Film würde nicht mal in irgendeinem Kellerkino laufen. Bei aller Liebe zum schwulen Genre sollte sich jeder einfach mal fragen, ob er den Film vielleicht eher deshalb sehen möchte, weil er bei Mongay läuft oder wegen des verzweifelten Versuchs eines Ex(?)-Pornostars (mit dem sicher viele gern mal ein Schläferstündchen hätten und sich schon deshalb an Marcel satt sehen mögen) sich jenseits des Porno zu etablieren - oder weil er einfach gut ist! Letzteres wage ich zu bezweifeln, da allein die Vorschau leider gar nichts aussagt darüber, wieso gerade dieser Film sehenswert sein sollte. Denn für eine Strickanleitung braucht es keinen ganzen Film. Zumal tuntig und männlich zu sein, albern und intelligent doch irgendwie so gut wie alle schwulen Filme ausmacht. Aber wenn man es sich lange genug einredet, wird dann wohl auch dieser Film das Rad neu erfinden. Man muss nur fest daran glauben.
von: Matze, 07.11.2010 17:21 Uhr