Siegessäule - Bekenntnis zu einem aufgeklärten Islam: „Shahada“, jetzt im Kino

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Bekenntnis zu einem aufgeklärten Islam: „Shahada“, jetzt im Kino


Burhan Qrbanis Debütfilm wirkt eher unterkühlt als engagiert

SIS 2.10.2010 – Drei Muslime im Berlin der Gegenwart stehen im Mittelpunkt von Burhan Qurbanis Debütfilm: Ismail ist Polizist und kommt sich wie ein Verräter vor, wenn er Kriminelle mit demselben Migrationshintergrund verhaftet. Maryam ist die Tochter eines liberalen Geistlichen, hat ihr Kind abgetrieben und wird seitdem von ihrem Exfreund bedroht. Samir ist ein latent schwuler Jugendlicher aus Nigeria, der mit seinen Gefühlen für einen gleichaltrigen Freund kämpft.

All diese Probleme könnte man bei allem Ernst auch humorvoll behandeln. Auf der Berlinale 1999 hatte sich „Lola und Bildikid“, mit seinen schwulen und transidentischen ProtagonistInnen aus der deutsch-türkischen Community, als Überraschungserfolg erwiesen, doch die Kombination von Sex, Brutalität und Lebensfreude hat leider keinen Trend gesetzt. Statt dessen gibt es für DeutschtürkInnen weiterhin nur die Alternative Sitcom oder Problemfilm.

Burhan Qurbani hat sich mit „Shahada“ für die zweite Variante entschieden. Immerhin übertreibt er es nicht mit dem Fatalismus. Man befürchtet die ganze Zeit eine Eskalation der Gewalt und für die eine oder andere Figur ein blutiges Ende. Doch niemand ist hier zum Scheitern verurteilt, auch wenn es vorübergehend so aussieht.

„Shahada“ lief auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb und wurde unterkühlt aufgenommen, passend zu den Außenaufnahmen, die zwischen Januar und März 2009 erfolgten. Doch wenn Samir (Jeremias Acheampong) seinen Freund David (Sergej Moya) zu sich nach Hause einlädt und Samirs Mutter ein festliches Mahl zubereitet, könnten wenigstens hier, in der geheizten Wohnung, die Bilder mehr Wärme ausstrahlen. Sie tun es nicht, denn der in Afghanistan geborene und in Deutschland aufgewachsene 30-jährige Regisseur bleibt konsequent: Drinnen ist es genauso kalt wie draußen. Und Samirs Mutter, die die beiden Jungs eben noch als Freunde verkuppelt hat, durchschaut deren wahre Gefühle und verbietet ihnen den weiteren Umgang.

Die Liebe zwischen den beiden hätte der Film deutlicher darstellen müssen. Nachdem Samir ihn verleugnet und geschlagen hat, fordert David ihn auf: „Sag nur einmal, dass es dir gefallen hat.“ An dieser Stelle wüsste man gern, was da vorgefallen ist. Zu sehen sind nur flüchtige Umarmungen und keusche Küsse. Das ist zu wenig. Toleranz kann man nur fordern, wenn auch gezeigt wird, welche Handlungen toleriert werden sollen. „Shahada“ ist ein guter, anständiger Film. Besonders mutig ist er jedoch nicht.

noa

„Shahada“, Deutschland 2010, Jetzt im Kino

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