Siegessäule - Festival „Blick in die Freiheit“: Wege aus der Ohnmacht

Film

Festival „Blick in die Freiheit“: Wege aus der Ohnmacht


Das Filmfestival zeigt vom 22.–24.1. exiliranische Filme und Filme aus dem iranischen Untergrund

Jana Kemter und Ghazaleh Nassib, Festivalmacherinnen

SIS 20.1. – Die 34-jährige Berlinerin Ghazaleh Nassib ist im Iran geboren und organisiert zusammen mit ihrer Freundin Jana Kemter in Berlin das exiliranische Festival „Blick in die Freiheit. Gezeigt werden auch Filme zu den Themen Homo- und Transsexualität, unter anderem Angelina Maccarones „Fremde Haut“ mit Jasmin Tabatabai in der Hauptrolle. Der Film ist zwar kein exiliranischer Film, aber dennoch im Programm, weil er die wichtigen Themen Homosexualität im Iran und Flucht aus dem Iran behandelt. Außerdem werden zahlreiche Dialoge auf Persisch gesprochen. Zur Diskussion nach der Vorführung des Films am 23.1. um 10 Uhr wird Angelina Maccarone anwesend sein.

SIS: Wie kam dieses Festival zustande?
Ghazaleh: Es war eigentlich Janas Idee. Mitte Juni 2009, als die Proteste im Iran begannen, saß ich immer vor Youtube und sah mir frustriert die Bilder von den Protesten im Internet an. Ich hatte dabei das Gefühl, dass ich so ohnmächtig bin und gerne etwas machen würde. Im Iran wäre ich sofort auf die Straße gegangen, aber von Deutschland aus ist es schwieriger. Jana hat dann richtig mit mir geschimpft und meinte, ich solle aufhören, mir das alles passiv anzukucken und stattdessen lieber überlegen, was wir machen können. Und dann hatte sie die Idee, dass wir als Stipendiatinnen der Hans-Böckler-Stiftung diese Projekte beantragen könnten. Dann kam die Sache ins Rollen. Über meine Eltern bekamen wir Kontakte in die exiliranische Szene. Mein Vater ist ja Filmkritiker und hat ein kleines Filmarchiv mit Filmen von exiliranischen Filmemachern. Und das war dann natürlich sehr hilfreich, um das Festivalprogramm zu gestalten.

SIS: Jana, warum wolltest du im Sommer nicht länger passiv bleiben?
Jana: Die Wahlen im Iran waren nur der Auslöser. Ghazalehs Familie ist ja 1979 geflüchtet und Ghazaleh stand letzten Sommer in Kontakt mit Verwandten und Bekannten. Ich konnte diese Ohnmacht nur schwer aushalten, in Europa zu sitzen und darauf zu warten oder zu hoffen, dass da etwas passiert und ein politischer Wechsel stattfindet. Wir beide sind einfach in dieser glücklichen Position, Stipendiatinnen der Hans-Böckler-Stiftung zu sein und konnten Mittel direkt beantragen und das Programm entwerfen. Wir wollen aber eher Mittel zum Zweck sein, das Podium überlassen wir im Regenbogenkino anderen Personen.

Ghazaleh: Das Festival ist auf jeden Fall gedacht als Solidaritätsveranstaltung für die säkularen Kräfte in Iran. Bei der derzeitigen Protestbewegung gibt es ja unterschiedliche Lager, aber wir haben diese säkularen Strömungen im Auge.

Interview: Andrea Winter

„Blick in die Freiheit“, 22.–24.1., Regenbogenfabrik