Film
„Deine dummy Romy“: Romy Schneider im Filmmuseum
Mit einer Ausstellung ehrt das Filmmuseum Romy Schneider – verlängert bis Ende August!
© „La Voleuse“
SIS 28.2.2010 – Es ist eine Wohltat, sich mit Fans von Bette Davis oder Joan Crawford zu unterhalten. Die sind hartgesotten und streitlustig, mit denen kann man schwärmen und lästern zugleich. Dagegen ist es eine Qual, sich mit bestimmten (nicht allen!) Romy-Fans auseinanderzusetzen. Deren aggressive Wehleidigkeit wirft die Frage auf: Hat Romy ihre Fans verdient? Jene verbitterten Heulsusen beiderlei Geschlechts, die sich eine Seelenverwandtschaft mit Romy einbilden? Von diesen dubiosen Fans wird Romy zur Leidensfrau stilisiert: traumatisiert durch Nazieltern, einen lüsternen Stiefvater, kitschige deutsche Filme, bösartige deutsche Journalisten. Da half angeblich nur die Flucht nach Frankreich, wo alles besser war. Nur mit den Männern soll sie Pech gehabt haben: mit dem Hallodri Alain Delon, dem autoritären Harry Meyen, dem Gigolo Daniel Biasini. Auffallend am Romy-Kult sind die Parallelen zum Lady-Di-Kult. Auch hier sind immer die anderen (Presse, Männer) schuld, wenn etwas schiefläuft.
Das Romy-Drama hört mit ihrem Tod 1982 nicht auf, denn es bleiben die schrecklichen deutschen Sissi-Fans und die Sendeanstalten, die diese Filme regelmäßig zu Weihnachten ausstrahlen. Aber um viele Eckpunkte ihrer Vita und ihrer wechselhaften Karriere ranken sich auch Legenden. Romys Eltern, die Filmstars Wolf Albach-Retty und Magda Schneider, waren in der NS-Zeit kleine Mitläufer: nichts zum Aufblicken, aber auch nichts zum Schämen. Die Sissi-Filme sind Kult und Romy richtig gut darin. In Frankreich wurde nicht alles anders oder besser, sie drehte auch dort erst einmal biedere Kostümfilme und verpasste die Nouvelle Vague. War sie es, die Godard und Truffaut ignorierte, oder war es umgekehrt? Fakt ist: Romy war eine altmodische Schauspielerin. Das spielerische Improvisieren des modernen Kinos lag ihr nicht. So vieles ist über sie geschrieben und in sie hineininterpretiert worden, dass die echte Romy zu verschwinden droht. Gegen so etwas hilft nur die Filmreihe mit wenig bekannten Werken aus den 60er-Jahren im Kino Arsenal, die im April fortgesetzt wird. Und die Ausstellung mit Originaldokumenten: Fotos, Ausschnitte aus Filmen und Fernsehinterviews, Briefe. Einen Brief an Marlene Dietrich unterzeichnete sie mit „Deine dumme Romy.“ Da kommt eine Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstironie zum Vorschein, die man ihren Fans und Biografen wünscht. Romy konnte nerven, sogar körperlich aggressiv werden, schlagen und spucken, und natürlich konnte sie auch bezaubern. Zu vieles aus ihrer Karriere ist noch unbekannt, etwa ihre lesbische Duschszene mit Melina Mercouri in „Halb elf in einer Sommernacht“ (1966). Das letzte Wort über sie ist noch nicht gesprochen, das ist gut so. Hätte sie keine Geheimnisse, wäre sie keine Legende. (noa)
„Romy Schneider. Wien – Berlin – Paris“, bis 29. August, Museum für Film und Fernsehen
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