Siegessäule - „Die sexuelle Orientierung ist Nebensache“

Film

„Die sexuelle Orientierung ist Nebensache“


Justin Timberlake zu seinem Film „Freunde mit gewissen Vorzügen“, jetzt im Kino –hier eine Zusammenfassung des Interviews

siegessaeule.de 10.9.2011 – Im Hotel Adlon steigen häufig Stars ab, wenn sie zu ihren Filmpremieren nach Berlin reisen. Dennoch ist Nervosität im ganzen Haus spürbar, weil ein Kaliber wie Justin Timberlake noch eins drauf setzt. Seine Bodyguards sind nicht nur groß und stark wie bei allen anderen, sondern sie tragen ihre Haare auch zu Dreadlocks geflochten. So sehen Rapper aus: Justin Timberlake is in da House.

Der Popstar selbst erscheint in schlichten Jeans und weißem Stehkragenhemd zum Interview. Doch als er die erste Frage beantwortet, glaubt man einen schwarzen Hip-Hopper vor sich zu haben. Sein Kopf bewegt sich ruckartig wie im choreografierten Move und der Südstaatenakzent fließt zäh und breit wie der Mississippi. Der „Prince of Pop“ wirkt auch mit 30 Jahren jungenhaft und steuert mit der harten Rapperattitüde dagegen. Ein Gespräch über seine Musikkarriere ist jedoch nicht erwünscht. Journalisten werden vor Interviews darauf hingewiesen, dieses Thema außen vor zu lassen. Derzeit legt Justin Timberlake den Fokus auf seine Projekte als Schauspieler. Darüber möchte er sprechen.

Männerfreundschaft hetero- schwul: im Film kein Problem

In den vergangenen zwölf Monaten drehte er vier Filme am Stück. Aktuell spielt er in der romantischen Komödie „Freunde mit gewissen Vorzügen“. Darin schließt er als Artdirector Dylan mit Co-Star Mila Kunis den pikanten Handel ab, bloß als Freunde miteinander Sex zu haben. Diese Szenen nutzt der Regisseur ausgiebig, um die gesamte Rückenansicht des Ex-Boygroup-Stars nackt zu zeigen. Das mag in Bezug auf Timberlakes Fangemeinde Kalkül sein, aber reizvoller lässt sich kaum zeigen, dass dem Jungenhaften auch das Männliche innewohnt.

Neben dem unbekleideten Justin Timberlake bleibt auch Woody Harrelson in einer Nebenrolle in Erinnerung. Als offen homosexueller Sidekick Tommy nimmt er an, dass Dylan auch schwul ist. Er lädt ihn auf amüsante Weise ein, abends mit ihm auf „Schwanzjagd“ zu gehen. Als Dylan freundlich ablehnt, weil er eigentlich nicht auf Schwänze steht, tätschelt Tommy ihm die Wangen und meint, dass er aber darauf hätte schwören können. Die beiden werden gute Freunde, wobei Woody Harrelson noch so manches der Klischees bricht, mit denen Hollywood sonst Schwule in Filmen zeigt. Wie wichtig war das für Justin Timberlake?

Keine Sorge: auch Musik wird Justin Timberlake weiter machen

„Ich bin sehr happy darüber, dass wir die Idee hatten, die Figur von Woody als schwul anzulegen. Damit brechen wir ein Stereotyp auf. Wir wollten einen schwulen und einen heterosexuellen Mann zeigen, die einfach nur eine Männerfreundschaft führen.“ Lachend setzt Justin Timberlake nach, was einem heterosexuellen Coming-out gleichkommt: „Das soll ja in der Realität öfter vorkommen, ich habe auch Freunde, die schwul sind.“ Die sexuelle Orientierung sei für ihn Nebensache, erklärt Justin Timberlake dann sehr ernst, und sexuelle Präferenzen hätten für ihn keine Relevanz bei der Wahl seiner Freunde. „Woody und ich unterhalten uns in den Szenen so wie zwei Männer, die schwul sind, oder wie zwei Männer, die es nicht sind. Die Thematik hat etwas mit unserer Generation und mit einer Modernisierung zu tun. Man kann die Unterschiede zum anderen wahrnehmen und das bringt dich dennoch zusammen. Auf diesen Aspekt des Films bin ich sehr stolz, ich denke, er ist großartig gelungen.“ Dann streut Justin Timberlake dem Kollegen noch Rosen: „Es half ungemein, dass Woody diese Rolle spielte, weil er von Natur aus bereits ein Charmebolzen ist.“

Zum Schluss stehen doch noch verbotene Fragen im Raum, weil sich der Musiker Timberlake schwer ausblenden lässt. Wie unterscheidet sich für ihn Hollywood vom Musikbiz? „In der Musik bin ich als Autor, Produzent, Regisseur und Darsteller des Videoclips allein verantwortlich. Alle setzen meine Vision um. Deshalb wartet bei der Arbeit jeder auf meine Antworten. Bei Spielfilmen genieße ich, das Teamwork und die Kontrolle ein wenig aufzugeben. Ich kann besser locker lassen.“ Das klingt sehr entspannt, aber muss die Welt in Zukunft ganz auf „Sexyback“ verzichten? „Keine Angst, ich liebe es, sowohl Schauspieler als auch Musiker zu sein. Aber ich kann es nicht gleichzeitig, darunter würden beide Seiten leiden. Sie hätten aber mein Beat-Boxing auf dem Weg zu diesem Interview hören sollen. Aus dieser Base-Line mache ich noch etwas.“    Peter Fuchs

„Freunde mit gewissen Vorzügen“, ab 8.9. im Kino, hier zu den Kinoterminen des Films in Berlin

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