Siegessäule - „Drei“: Don't dream it, be it

Film

„Drei“: Don't dream it, be it


Tom Tykwers Beziehungsdrama überzeugt mit tollen Schauspielern und einer glaubwürdigen Handlung, ab 23.12. im Kino

SIS 17.12.2010 – Hanna und Simon sind moderne heterosexuelle Berliner Großstadtmenschen. Sie haben interessante Jobs und Erfolg darin, sie haben eine schöne große Altbauwohnung, sie trinken gern Rotwein, führen intellektuelle Gespräche und leben seit 20 Jahren in einer scheinbar sicheren Beziehung. Und wie viele moderne Berlinerinnen und Berliner geraten sie nach Jahren in der mittlerweile abgekühlten Langzeitbeziehung auf erotische Abwege und haben jeder eine Affäre.

Das könnte alles unglaublich banal sein, hätten sie diese Affäre nicht ausgerechnet gleichzeitig – und mit demselben Mann. Selbst das hätte platt und hollywoodesk-komödiantisch werden und das Gefühl des tausendmal Gesehenen vermitteln können. Doch das ganze Gegenteil ist der Fall. In seinem nach langer Zeit ersten wieder in Deutschland gemachten Film zeigt Tom Tykwer in „3“ drei glaubhafte Figuren mit interessanten Geschichten, unerwartetem Begehren und dem erwachsenen Umgang damit.

Moderne Patchworkfamilie zu Dritt

Genau wie seine Freundin Hanna gerät auch der bis dato heterosexuelle Simon in den Bann des charmanten und etwas geheimnisvollen Wissenschaftlers Adam. Nur kurz ringt Simon mit sich, bis er seinem Verlangen nachgeht, und auf schnellen Sex mit Adam folgt eine tief gehende Affäre – Verliebtsein inbegriffen. Das wird wunderbar unverklemmt und natürlich dargestellt: Simon ist begeistert vom schwulen Sex, aber auch seiner Freundin noch immer zugetan. Auf der anderen Seite steht Adam, durch und durch bisexuell und dabei zu Verbindlichkeiten nach allen Seiten bereit. Mittendrin die selbstbewusste Hanna, die zunächst ausflippt und geht, als das gut gehütete Geheimnis ans Licht kommt, sich schließlich aber eines Besseren besinnt und – mittlerweile schwanger – die moderne Patchworkfamilie samt Sex zu dritt in Angriff nimmt.

Brillant ist vor allem Devid Striesow als  lebenslustiger Stammzellenforscher Adam, dessen Leidenschaft für Männer hier weder als exotisch noch als Seltenheit, sondern schlicht als Teil seiner (Bi-)Sexualität gezeigt wird. Sophie Rois als Hanna gibt eine wunderbar gestresste, erfolgsverwöhnte Großstädterin, die dann doch nicht mit allen Wassern gewaschen ist. Und in der Rolle des zerbrechlichen Simon zeigt Sebastian Schipper einen Typ Mann, der auch im Erwachsenenalter noch Offenheit für Neues zeigt. Alles in allem ein gelungenes Beziehungsdrama, weit ab von der Einheitskost sonstiger deutscher Problemfilme – oder schlimmer noch, Beziehungskomödien.

Einzig einige arg schwülstige Szenen mit Ballett oder Engeln hätte man sich sparen können, denn glücklicherweise ist die Inszenierung stark und durchdacht genug, dass die Botschaft auch so beim Publikum ankommt. Und diese lautet beinahe altmodisch: Don’t dream it, be it.     

Manuela Kay

„Drei“, Regie: Tom Tykwer, mit: Sophie Rois, Devid Striesow, Sebastian Schipper u. a., D 2010, 119 Min., hier zu den Kinoterminen in Berlin