Siegessäule - „Du sollst nicht lieben“: von atemberaubender Kraft!

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Film

„Du sollst nicht lieben“: von atemberaubender Kraft!


Eine unmögliche schwule Liebe unter orthodoxen Juden, eindringlich und genial erzählt, aktuell im Kino

SIS 28.5.2010 – Die Stadt der Sehnsüchte sieht herunter gekommen aus, alt und geschunden. Denn hier stehen keine Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt, sondern der schnöde Alltag in einem Viertel, in dem viele ultraorthodoxe Juden leben, in der die Leidenschaft allein aus Gebeten zu bestehen scheint. Hier hat Haim Tabakman seinen ersten Spielfilm angesiedelt, der von nichts anderem erzählt als von der Leidenschaft. Nicht in der Religion, sondern in der Liebe. Bei den engstirnigen Rahmenbedingungen der Stoff für ein großes Drama.

Aaron ist Fleischer, hat gerade das Geschäft seines verstorbenen Vaters wiedereröffnet. Wie er das koschere Fleisch zerhackt – man muss kein Psychologe sein, um zu merken, dass da was nicht stimmt. Dabei sieht nach außen alles bestens aus. Aaron lebt mit Frau und Kindern ein ultraorthodoxes Bilderbuchleben und hält alle religiösen Regeln ein. Allein für die Einblicke in eine solch befremdliche Welt ist der Film ein Glücksfall.

Der Plot aber dreht sich um das Tabu Homosexualität. Denn Aaron kriegt die Krise, als er sich in einen 22-jährigen Studenten verliebt: Ezri sieht einfach umwerfend gut aus, sucht Arbeit und eine Bleibe – beides kann Aaron bieten. Wie sich zwischen den bärtigen Männern erst eine Freundschaft, später eine Liebe anbahnt, ist genial einfach, mit sparsamsten Mitteln, mehr mit Blicken und Gesten, denn mit vielen Worten, inszeniert. Manchmal, so viel Pathos ist hier angebracht, raubt es einem fast den Atem.

Die Gemeinde bekommt Wind von den „sündenhaften“ Vorgängen, die niemand beim Namen nennen mag. Das Ganze ist wider die Natur und Gott! Also macht die Gemeinde Druck, auf ganz schöne miese Art. Die Ehefrau spürt, ahnt und weiß es längst … Kein Ausweg nirgends aus dem Dilemma, Gefühle und religiöse Regeln unter einen Hut zu bringen. Aaron und Ezri gehen also wieder getrennte Wege, es blutet einem das Herz. Das Ende bleibt offen, jede und jeder muss es für sich deuten. Klar ist: Der Film hat völlig zu Recht etliche Filmpreise eingeheimst und hält dem Vergleich mit der emotionalen Kraft von „ Brokeback Mountain” –  einer anderen Liebesgeschichte in einer feindlichen Umwelt – Stand.

Andreas Hergeth

Du sollst nicht lieben (Eyes Wide Open) | ISR/FR/D 2009 | Regie: Haim Tabakman | 90 Minuten | DF und OmU

Aktuell im Kino: International,  Delphi, Filmtheater am Friedrichshain, Xenon, Babylon Kreuzberg, hier zu den Berliner Kinoterminen

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