Siegessäule - „Evet, ich will“

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Film

„Evet, ich will“


Schwule türkisch-deutsche Turbulenzen auf dem Weg zum Ja-Wort

SIS im Oktober 09 – Das ist nicht „Meine fette türkische Hochzeit“, aber ein weiterer Hochzeitsfilm mit interkulturellem Flair: „Evet, ich will!“. Eine Handvoll unterschiedlicher Paare, alle aus dem türkisch-deutschen Kulturkreis, drehen sich in diesem Hochzeitskarussell rund um ein Berliner Mietshaus. Wer Insider ist, hat dabei sicher mehr zu lachen, wenn der Film die Rituale auf die Schippe nimmt, die Heiratswillige nach türkischer Tradition hinter sich bringen müssen. Eines der Paare sind der türkische Automechaniker Emrah (Eralp Uzun) mit seinem deutschen Lover Tim (Mickey Hardt). Emrah wagt zunächst nicht, sich zu outen, der Knoten platzt erst, als er mit der hübschen Nursel zwangsverheiratet werden soll. Unter Tränen wird ihm klar, dass er die Notbremse ziehen muss, bevor er sein Leben aus Gründen der Tradition verpfuscht. Emrahs Familie reagiert – wie es sich für eine Komödie gehört – nicht mit Rausschmiss, sondern mit Kompromissbereitschaft: „Keine Küsse“ will der Vater zwischen den beiden Jungs mitansehen, und die Landsleute sollen auch nichts davon erfahren: „Du weißt ja, wie die sind.“ Ansonsten könnten die beiden ja machen, was sie wollen. Zur Abwechslung also mal optimistische Tendenzen im sonst problematischen Umgang mit Homosexualität. Es könnte ein Wegweiser sein, denn „Evet ...“ peilt mit der geplanten Vermarktung in der Türkei ein Publikum an, das diese Lockerheit nicht gewohnt ist.
Emrah-Darsteller Eralp Uzun war bereits in den unterschiedlichsten Produktionen zu sehen. Sein bislang größter Erfolg war die Titelrolle in der TV-Serie „Alle lieben Jimmy“. Da war er lieb und nett, der Schauspieler schreckt aber auch nicht vor provokativen Parts zurück. Im Episodenfilm „Schwarze Schafe“ (2006) trat er nackt auf, in „Straight“ (2007) schlief er im Dreieck mit einem deutschen Heteropärchen.
„Evet ...“ zeigt ein eher gemütliches „Migrantenmilieu“, das Double-Feature „Kreuzkölln“ (Kinostart 29.10.) bringt wieder andere Multkulti-Facetten ins Spiel: In dem Kurzfilm „Moruk“ drücken sich Murat (Oktay Özdemir) und Hakan (Burka Yigit) an ihren Straßenecken herum, ein charmantes Schlitzohr der eine, ein schüchterner verhinderter Märchenprinz der andere. Das ist allemal sehenswert, vor allem darf Özdemir – als Migranten-Villain in „Wut“ und „Knallhart“ preisgekrönt – hier mal statt gewalttätig nur durchtrieben sein. Trotz aller Situationskomik bleibt eine gewisse Tristesse, die ein kurzer Dialog zwischen den Protagonisten auf den Punkt bringt: „In der Türkei bist du ohne Geld der letzte Schwanz.“ „Und hier bist du der King oder was?“
Die anschließende Doku „24 Stunden Schlesisches Tor“ ist eine gekonnte  Miniversion von „24 Stunden Berlin“. Touristen und Einheimische wie die polnische Handwerkerin, der deutsche Jungschwule oder der türkische Schüler zaubern mit ihren Kurzinterviews ein so buntes, lebendiges Porträt des urbanen Kiezes auf die Leinwand, dass man Lust bekommt, nach Kreuzberg zu ziehen. Frank Hermann   

„Evet, ich will“, am 28.9. bei MonGay,
ab 1.10. im Kino


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