Siegessäule - Filmhighlight „Milk“

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Filmhighlight „Milk“


SIS im Februar 2009. 30 Jahre und zwei Monate sind seit den tödlichen Schüssen auf Harvey Milk vergangen. Der erste schwule Aktivist, der ein hohes politisches Amt bekleiden durfte und in den Stadtrat von San Francisco gewählt wurde, hat nach seinem Tod alle erdenklichen Ehrungen erfahren: Randy Shilts' Biografie „The Mayor of Castro Street“, Rob Epsteins Oscar-prämierten Dokumentarfilm „The Times of Harvey Milk“.

Nur mit dem großen Spielfilm wollte es lange Zeit nicht klappen: Robin Williams war in den frühen 90ern als Hauptdarsteller im Gespräch; Oliver Stone sollte produzieren und Gus Van Sant Regie führen. Das Scheitern des Projekts kann man nicht einer homophoben Filmindustrie anlasten, denn Hollywood bringt relativ oft Filme über Schwule heraus. Aber das sind romantische Komödien oder Dramen über die gehobene weiße Mittelschicht, in denen die soziale Realität ausgeklammert wird. Selbst „Brokeback Mountain“ zelebriert einen Rückzug ins Private.

Dagegen war Harvey Milk mit Leib und Seele Politiker, und Politik im Kino gilt als Schlafmittel. Zu Unrecht. Der mitreißende Film, den Gus Van Sant jetzt endlich vorlegen kann und der mittlerweile für acht Oscars nominiert ist, bezieht seine Spannung aus den politischen Kampagnen der Gay Community. Vielleicht ist es von Vorteil, dass der Film erst jetzt fertig geworden ist, denn das sinnentleerte Politikergeschwafel der Gegenwart verdeutlicht die Größe dieses Kämpfers für schwule Rechte, der ursprünglich Geschäftsmann und trotzdem nie käuflich war. Milk hielt nichts von Dogmen, und gegen sexuelle Diskriminierung kämpfte er mit legalen Mitteln.

Van Sant, der unbeugsame Außenseiter, hat seine Vision von einem gebrochenen Helden durchgesetzt und einen wilden, schrägen Film gedreht, der auch langhaarige, schlecht gekleidete, Brille tragende Tunten ernst nimmt. Es ist ein Film, der ganz auf Kitsch und Pathos verzichtet und dennoch zu Tränen rührt. „Milk“ ist wie sein Hauptdarsteller Sean Penn virtuos und locker zugleich; nie hat man das Gefühl einer Kunstanstrengung. Das größte Wagnis ist die differenzierte Darstellung des Mörders Dan White. Bisher wurde er als bibeltreuer Schwulenhasser gezeichnet; Van Sant erinnert daran, dass dieser Mann Milks Nähe gesucht und ihn zur Taufe seines Sohnes eingeladen hat. Trotz seiner Ermordung war Milks Leben eine Erfolgsgeschichte. Um das zu verdeutlichen, zitiert Van Sant gleich zweimal den Satz: „Ich bin 40 Jahre alt und habe nichts getan, worauf ich stolz sein könnte.“ Dieser Satz aus dem Jahr 1970 wird durch den Film eindrucksvoll widerlegt. 

Frank Noack

MonGay-Preview: 17.2.

 


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