Film
Filmische Traumwelten: „Le Chat Qui Pense“, jetzt im Kino
Der Filmregisseur Daniel Schmid gehörte in den 70er-Jahren zum Kreis um Rainer Werner Fassbinder. Jetzt läuft ein Dokumentarfilm über ihn im Kino
SIS 10.9.2010 – Daniel Schmid, der Mann mit den dunklen Haaren und dem Schnurrbart: Er war einer der innovativsten Filmemacher der 1970er- und 1980er-Jahre, er war eng mit Rainer Werner Fassbinder und Werner Schroeter befreundet, er liebte wie diese die Männer und wohnte später mit Schroeter und der Schauspielerin Ingrid Caven in einer Pariser WG zusammen. Caven spielte dann ja auch die Hauptrollen in einigen seiner Filme.
Schmids Filme wie „La Paloma“ und „Zwischensaison“ machten Furore und wurden mit viel Kritikerlob bedacht. Oder führten fast zum Skandal wie „Schatten der Engel“, die Verfilmung von Fassbinders umstrittenen Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“, wo eine Prostituierte und ein jüdischer Immobilienspekulant an den maroden Verhältnissen ihrer Stadt zu Grunde gehen. Fassbinder spielte darin die Rolle des Zuhälters.
Heute sind Schmids Filme fast nur noch bei Insidern oder seinen Schweizer Landsleuten bekannt. Zwei davon, die jungen Filmstudenten Pascal Hofmann und Benny Jaberg, drücken jetzt ihre Verehrung in Form einer Hommage aus: Ihr einfühlsamer Dokumentarfilm „Le Chat Qui Pense“ zeichnet ein stimmungsvolles Porträt und ist ein Streifzug durch das ereignisreiche Leben und das cineastische Vermächtnis dieses außergewöhnlichen Künstlers, der 2006 viel zu früh an Krebs starb.
In älteren Interviews, Originalaufnahmen und Erinnerungen seiner Freunde begleitet der Film Schmids Leben und führt zunächst nach Berlin, wo er sich mit Fassbinder anfreundet und in der politischen und kulturellen Aufbruchstimmung die Möglichkeit hat, sein Schwulsein offen zu leben.
Mit viel Liebe zum Detail wird Schmids künstlerisches Schaffen dokumentiert, etwa beim Entstehen seiner wichtigsten Filme wie „La Paloma“ (1974) „Schatten der Engel“(1976), „Der Kuss der Tosca“ (1984), „Jenatsch“ (1987) oder „Beresina und die letzten Tage der Schweiz“ (1999).
Opulente Ästhetik und eine verträumte Bildsprache kennzeichnen die Filme des international bekanntesten schweizer Filmemachers seiner Zeit. Sein Schwulsein steht zwar nicht im Zentrum des Films von Hofmann und Jaberg, aber trotzdem kommt im Film auch Privates zur Sprache. Typisch für Daniel Schmid ist auch die Antwort auf die Journalistenfrage, warum er Filme mache: „Um weniger allein zu sein“.
Andrea Winter/Claudia Lindner
„Daniel Schmid – Le Chat Qui Pense“, ein Film von Pascal Hofmann & Benny Jaberg, CH 2010, 83 Minuten, OmU, jetzt im Kino
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