Siegessäule - Filmreihe: „Frühe Interventionen“ vom 23.–27.9. im Zeughauskino

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Filmreihe: „Frühe Interventionen“ vom 23.–27.9. im Zeughauskino


Eine Sammlung von Filmen über den feministischen Widerstand, Klassenverhältnisse und Extremismus

© „The Pickpocket“, USA 1913 / Archiv des Eye Film Institute Netherlands

SIS 20.9.2010 – Gesprengte Briefkästen und Brandbomben in öffentlichen Gebäuden: heutzutage würde man die Kämpferinnen der englischen Frauenwahlrechtsbewegung vermutlich als Terrorgruppe abstempeln, dabei engagierten sie sich als feministische Widerstandsbewegung für das Frauenstimmrecht. Bis das allgemeine Wahlrecht in England 1928 endlich eingeführt wurde, lieferten sich die Suffragetten – benannt wegen ihrer Forderung nach „suffrage“ (Wahlrecht) – einen regelrechten Krieg mit der Obrigkeit. Anfangs propagierte die legendäre Rädelsführerin Emmeline Pankhurst noch gewaltfreie Aktionen wie Hungerstreiks, an denen sich später auch Mahatma Gandhi und Martin Luther King orientierten. Beim Erfinden neuer Protestformen waren die aufgebrachten Frauen überaus fantasievoll: Viele Aktionsformen des passiven Widerstandes stammen von ihnen.

Doch die englische Regierung nahm die Proteste anfangs überhaupt nicht ernst, verschleppte Petitionen und reagierte dann mit Gewalt, Gefängnis und Zwangsernährung. Folglich radikalisierten sich die Suffragetten und räumten endgültig mit der Vorstellung auf, dass Frauen duldsam sein müssen. Ab jetzt lavierten sie zwischen Kreuzzug und Spektakel – Winston Churchill wurde dabei mit einer Hundepeitsche attackiert. Um ihre Forderung nach Gleichberechtigung medienwirksam zu platzieren, ersannen sie spektakuläre Akte des kollektiven Ungehorsams wie das Anketten vor Parlamentsgebäuden. 1913 warf sich Emily Wilding Davison beim Derby von Epsom sogar vor das Pferd des Königs und starb an den Folgen der Verletzungen.

Heute gelten die Suffragetten als Galionsfiguren der modernen politischen Inszenierung, aber damals erzeugten sie große Angst und wurden in der Öffentlichkeit satirisch bis zynisch dargestellt, eben weil ihre Politikform und ihr Erscheinungsbild nicht den gängigen Vorstellungen von sittsamen Frauen entsprachen. Nach 1900 eroberten die „Extremistinnen der Sichtbarkeit“ dann auch das Kino. Es entstanden Wochenschauen, die ihre Paraden mächtig ins Bild rückten. Dagegen zeigen die Antisuffragettenfilme wild gewordene Furien, die männliche Züge annehmen und ihre Familien vernachlässigen. Manchmal verkleideten sich auch Männer als Streikende. Es gab also genug Spielräume für eine komplizenhafte Schaulust auf beiden Seiten.

Nun zeigt die Filmreihe „Frühe Interventionen“ rund 70 Streifen über, für und gegen Suffragetten und präsentiert zudem Filme zu weiblicher Arbeit und Klassenverhältnissen, Geschlechterinszenierungen, Cross-Dressing und Hysterie. „Anhand rarer Filmbeispiele vor allem aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist ein noch wenig normiertes Kino zu entdecken, das sich selbst beim Erfinden zusieht und gerade im Begriff ist, sich ein eigenes Publikum zu schaffen“, sagt Madeleine Bernstorff, die Initiatorin der Filmreihe (hier zum Interview mit ihr). Zu stemmen war das eindrucksvolle Projekt vor allem durch Mittel aus dem Hauptstadtkulturfonds und mit Hilfe vieler europäischer Archive.

Andrea Winter

„Frühe Interventionen. Suffragetten – Extremistinnen der Sichtbarkeit“, Filmreihe mit Klavierbegleitung, Videopräsentationen, Vorträgen und Installationen, Kuratiert von Madeleine Bernstorff und Mariann Lewinsky

23.–27.9., Zeughauskino – Deutsches Historisches Museum Berlin. Programm

Mehr zur Location: Zeughauskino

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" Es entstanden Wochenschauen, die ihre Paraden mächtig ins Bild rückten. Dagegen zeigen die Antisuffragettenfilme wild gewordene Furien, die männliche Züge annehmen und ihre Familien vernachlässigen. Manchmal verkleideten sich auch Männer als Streikende. Es gab also genug Spielräume für eine komplizenhafte Schaulust auf beiden Seiten. "
ist da irgendwo ein konjunktiv o.ä.oder mehrere verlorengegangen oder unterstellt der artikel, daß auch die suffragetten komplizenhaft ihre antifeministischen gegenspieler betrachteten? wenn letzteres wäre ein beispiel schön, denn wo da die unterstellte komplizenschaft liegen könnte, wird aus dem artikel nicht klar? danke, patricia

von: patricia, 23.09.2010 00:06 Uhr

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