Siegessäule - „Glaubensfrage“, ab 5.2.

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Film

„Glaubensfrage“, ab 5.2.


In ihrem letzten Film „Mamma Mia!“ hat Meryl Streep ausgelassen gesungen, getanzt und herumgealbert; für „Glaubensfrage“ schlüpft sie nun in die Rolle der lustfeindlichen Schwester Aloysius, die 1964 an einer katholischen Schule im New Yorker Stadtteil Bronx ein strenges Regiment führt. Diese Frau verabscheut populäre Musik, Süßigkeiten (nicht einmal Hustenbonbons sind erlaubt) und Kugelschreiber.

Bei ihrem ersten Auftritt schleicht sie sich an einen Jungen heran, der während einer Predigt Privatgespräche führt, und schlägt ihm auf den Hinterkopf. Der moderne, aufgeschlossene Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman) ist ihr sofort ein Dorn im Auge, da er für Reformen eintritt. Sie möchte ihm schaden, sucht nach Fehlern und wird fündig: Flynn lässt die Fingernägel länger wachsen, als es bei Männern üblich ist, er mag Süßigkeiten und bezeichnet sich selbst als Naschkatze, und er kümmert sich liebevoll um den einzigen schwarzen Jungen an der Schule.

Dieser Junge kommt eines Tages aus Flynns Büro und hat eine leichte Alkoholfahne. Außerdem wird Flynn dabei beobachtet, wie er einen weißen Stoff in seinem Schrank versteckt. Die neu eingestellte, von der dominanten Vorgesetzten als Spionin instrumentalisierte Schwester James (Amy Adams) geht an Flynns Schrank und entdeckt, dass es sich bei dem Stoff um ein Unterhemd in Kindergröße handelt. Jetzt könnte eine Hexenjagd beginnen, doch John Patrick Shanley, der sein eigenes Bühnenstück für die Leinwand bearbeitet hat, macht es sich und dem Publikum nicht so leicht, lässt vieles unausgesprochen.Flynn ist offenbar unschuldig, aber selbst wenn er sich an dem Jungen vergangen hätte, würde er straffrei davonkommen.

„Glaubensfrage“ will keine konkreten Verbrechen aufklären, sondern zum Nachdenken anregen: Jeder Glaube ist gefährlich, wenn er keine Zweifel zulässt. Der definitive Film zum Thema sexueller Missbrauch von Priestern bleibt die kanadische TV-Produktion „Die Opfer von St. Vincent“ (1991).       

Frank Noack

Kinostart 5. Februar


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