Siegessäule - Gleich zwei schwule Söhne: „Mine Vaganti”

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Gleich zwei schwule Söhne: „Mine Vaganti”


Wie man um das Coming out konkurriert, das zeigt die italienische Familienkomödie „Männer al dente”. Kinostart 15.7.

SIS 5.7.2010 – Ferzan Ozpeteks Filme wie „Hamam – das türkische Bad“ oder „Saturno Contro“ sind in angenehmster Erinnerung. Seine Auseinandersetzung mit den Themen Homosexualität, Familie und restriktive Gesellschaftsformen setzt der türkisch-italienische Regisseur auch in „Mine Vaganti“ fort. Dieses Mal mit ein bisschen mehr Comedy-Appeal. Für Italiens Bürgertum ist ein schwuler Sohn wohl noch immer ein heißes Thema: Der Originaltitel bedeutet nichts anderes als „Tretminen“. In Deutschland wurde daraus „Männer al dente“, was zwar dem konservativen Stil dieser Komödie gerecht wird, aber doch ein wenig nach „La Cage aux Folles“ klingt.

Vielleicht ist so eine Komödie das einzige probate Stilmittel, um im nicht gerade schwulenfreundlichen Italien aufklärerisches Mainstreamkino zu machen. Beispielsweise zeigt Gustav Hofers Dokumentarfilm „Schwulsein auf Italienisch“ („Improvvisamente l'inverno scors“) von 2008 eindrücklich, mit welch massiven Vorurteilen die Mehrheit der italienischen Bevölkerung dem Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften begegnet. Schwule und Lesben haben keinen Platz, wo der Katholizismus regiert ...

In „Mine Vaganti“ hat Tommaso (Riccardo Scamarcio), jüngster Spross einer Nudelhersteller-Dynastie, tatsächlich vor, das nächste Familienessen zu sprengen. Und zwar mit einem Coming-out vor versammelten drei Generationen. Zudem mit dem Plan, sein weiteres Leben keineswegs den Teigwaren zu widmen, sondern in Rom eine Karriere als Schriftsteller zu verfolgen. Dumm nur, dass stattdessen der ältere Bruder seine eigene schwule Bombe platzen lässt und prompt vom Vater verstoßen wird. Für den Jüngeren ist danach eine Flucht aus dem Nudelreich nicht mehr möglich.

Die Regie erlaubt der Hauptfigur Tommaso ein gerüttelt Maß an Angepasstheit, dafür strotzt sein Umfeld vor neurotischen Charakteren. Allen voran der arg verklemmte und homophobe Herr Papa. Starke Frauenfiguren wie Tommasos Busenfreundin Alba aber beweisen, dass es möglich ist, in der Kleinstadt zu überleben, auch wenn man anders ist als der Rest. Oder die Großmutter, die selbst auf eine Liebe verzichtet hat, aber bis ins hohe Alter eine Rebellin geblieben ist, eine Frau von Format. Unglück durch Verzicht auf das eigene Leben wünscht sie jedenfalls keinem ihrer Enkel.

Wenn Tommasos Lover mit einem Tross von Bilderbuch-Schwuletten aus Rom anreist und diese Entourage auf hetero macht, bekommt das Ganze tatsächlich einen Cage-aux-Folles-Touch. Ob so viel Klischee angebracht ist, darf gefragt werden, aber andererseits: Man schaue aufs eigene Umfeld! Es ist ja schließlich auch ein leichter Sommerfilm. Deshalb bleibt zu guter Letzt nicht alles unterm Teppich und am Ende sind sämtliche Nudelmacher wieder vereint. Schließlich hat die rebellische und doch so weise Großmama die entsprechenden Fäden gezogen.

Frank Hermann


”Männer al dente” („Mine Vaganti”), Italien 2010, 110 Min, Regie: Ferzan Ozpetek, jetzt im Kino

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