Siegessäule - „House of Boys“ kratzt kaum an der schwulen Oberfläche

Film

„House of Boys“ kratzt kaum an der schwulen Oberfläche


Geile und ernste Tage im Amsterdam der 80er – mitten in die Partystimmung bricht das Thema Aids ein

SIS 2.12.2010 – Das House of Boys ist ein Nachtclub und Männerwohnheim zugleich: Jungen, die von zuhause ausgerissen sind, finden hier Unterschlupf. Als Gegenleistung müssen sie tanzen, strippen und Gäste anmachen. Frank ist einer dieser Jungen. Sein Darsteller, Ex-Model Layke Anderson, sieht verdammt sexy aus und kann seinen Körper so weit verbiegen, dass das Zuschauen wehtut – er hat garantiert eine Ballett- oder Akrobatikausbildung hinter sich. Als naiver Junge aus der Provinz, der in der Großstadt seine Unschuld verliert, ist er hoffnungslos fehlbesetzt, denn er wirkt von Anfang an zu selbstbewusst und frech. Gleich bei seinem ersten Auftritt lässt er sich, genüsslich grinsend, auf der Schultoilette ficken.

Prickelnde Soap mit plötzlich ernsten Tönen

Die fehlende Glaubwürdigkeit stört nicht ernsthaft, denn „House of Boys“ ist ein bewusst künstlicher Film, der auf dem Niveau einer Daily Soap gut unterhält. Udo Kier, in der Rolle der Nachtclubbesitzerin Madame, ist eigentlich grottenschlecht als Drag Queen, mal im Madonna- und mal im Zarah-Look, und noch schlechter, wenn er seinen Jungs mütterliche Ratschläge erteilt. Aber auch von ihm geht eine Faszination aus, der man sich schwer entziehen kann. Madame soll ja keine Künstlerin von Weltrang sein, sondern eine dilettierende Playbacktunte. Der Film von Jean-Claude Schlim, eine luxemburgisch-deutsche Co-Produktion, bereitet Freude, solange er die Oberflächlichkeit einer Subkultur einfängt. Doch dann wird es todernst, das Thema Aids kommt auf und damit die Frage, ob man ein so ernstes Thema dermaßen boulevardesk umsetzen darf. Immerhin, langweilig wird der Film nie. Hier waren kreative Menschen am Werk. Nur keine besonders einfühlsamen.

Frank Noack

House of Boys, Luxemburg/Deutschland 2009, R: Jean-Claude Schlim.
Mit Layke Anderson, Benn Northover, Udo Kier, jetzt im Kino,

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