Siegessäule - „I am Love“: Tilda Swinton im goldenen Käfig

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Film

„I am Love“: Tilda Swinton im goldenen Käfig


Ein Melodram und Thriller zugleich – wie die Mutter das Coming-Out der Tochter verarbeitet, ab 28. Oktober

SIS 11.9.2010 – Zu Beginn liegt das winterliche Mailand im Film „I am Love“ unter einer weißen Schneedecke begraben. Vor dem Weihnachtsessen legt der Ehemann seiner Frau Emma kostbaren Schmuck in einer zärtlichen Geste an. Dennoch sieht es so aus, als würden sich Handschellen um ihre Handgelenke schließen. Die Russin Emma (Tilda Swinton) ist mit dem Oberhaupt des wohlhabenden Recchi-Clans verheiratet. Sie ist wunderschön und hat drei wohlgeratene Kinder geboren, die mittlerweile erwachsen sind. Ihr Leben in der italienischen High Society ist luxuriös und sorgenfrei. Doch dann entdeckt sie einen Liebesbrief ihrer Tochter, der an eine Frau gerichtet ist. Dieses bezaubernde Coming Out lässt Emma plötzlich die Gitterstäbe ihres eigenen goldenen Käfigs spüren. 

Gelungen übersetzt das Drehbuch den geweckten Wunsch nach Freiheit in viele Details, wobei manche mehr, manche weniger subtil geraten. Immer häufiger drängen Emmas vergessene Leidenschaften wie durch eine Schneedecke an die Oberfläche. Im folgenden Sommer kann man sich selbst als Zuschauer diesen Leidenschaften schwer entziehen, wenn Tilda Swinton und Regisseur Luca Guadagnino die Kinobesucher nah und intensiv an Emmas Orgasmen teilhaben lassen. Aufregend gefilmt im gleißenden Sonnenlicht der italienischen Riviera. Pikantes Detail: der viel jüngere Freund und Geschäftspartner ihres Sohnes liegt dabei mit Emma im Gras. 

In opulenten Bildern gibt sich das Melodram „I am Love“ auch als Thriller, denn die Handlung steuert direkt auf eine Konfrontation zu. Diese erfolgt dann auch mit tödlichem Ausgang an überraschender Front. Das grandiose Frauenensemble führt Tilda Swinton an, die ohne viel Worte mit klarem Spiel die Veränderungen bei Emma plausibel vorführt. Aber auch Alba Rohrwacher als selbstbewusste, junge Lesbe, Diva Maria Berenson als Clanmutter, Diane Fleri als Nachwuchsfutter für das patriarchale System und Maria Paiato als sensible Haushälterin überzeugen in feinen, kleinen Einzelheiten. 

Peter Fuchs

„I am Love“, Regie Luca Guadagnino, Italien 2009, 114 Minuten

Mehr zur Location: Kino/Klub International

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